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Transalp 2009

Südtirol Runde Hoila Elvira - 15.063 Hm, 395 km

Prolog  (ein Bericht von Werner Schwemberger)

GPX-Track Done   GPX-Track Plan




Das ist wohl eine der mühevollsten Planungen meiner Transalp-Geschichte. Eigentlich ist im Jänner schon alles klar. Eine Südtirol-Runde schwirrt ja schon lange in meinem Kopf herum. Bei der Planung dieser gibt es nur eine Schwierigkeit: Die Qual der Wahl - aus der Überfülle an Angebot und Informationen das Gewünschte zu filtern. Da man in Südtirol als Biker die Hauptsaison meiden sollte, wird der Termin für Ende Juni fixiert. Ist doch alles kein Problem, oder?

Zur Planung: Der Winter 2009 ist so schneereich, dass die Befahrung einiger Schlüsselstellen Ende Juni unwahrscheinlich ist. Also plane ich zur Sicherheit “schnell” mal eine Runde in Nordtirol. Bei dieser sind nur einige Überquerungen über 2400 und zur Not könnte man diese auslassen oder umfahren.

Leider kommt noch etwas dazwischen: Peter meldet, dass er sich verletzt hat. Er überknöchelte bei einem “Wuzlerturnier” so blöd, dass er mit seinem Klumpfuss maximal als Quasimodo-Einlage dienen, aber nicht auf ein Moutainbike steigen kann. Schließlich ist der Wetterbericht für unseren Termin auch noch mehr als schlecht. Bei so viel negativen Vorzeichen kommt nur mehr das Verschieben der Tour in Frage.

Mit einiger Mühe finden wir glücklicherweise einen Ersatztermin. Da für Nordtirol aber schon wieder mehr als unfreundliches Wetter angesagt ist, aktivieren wir die Südtirolrunde und starten los - das hat genervt!!

Tag 1 Albeins - Plose - Lüsens - Herolerhof

darf’s a bissal mehr sein?

Auch für den Süden ist das Wetter eher instabil angesagt, aber wir sind ja nicht aus Zucker und einen anderen Termin finden wir sowieso nicht mehr. Wir treffen uns in Albeins (600, Nähe Brixen), parken die Autos auf einem der genügend vorhandenen Parkplätze, packen die Räder aus und endlich startet unsere Transalp 2009!

Bereits kurz nach 8 Uhr fahren wir bei tollem Wetter los. Der Forstweg entlang des Aferer Bachs hält für uns in der Früh knappe 1000 Höhenmeter bereit. Zwar ist dieser Weg etwas langweilig im Wald gelegen, dafür autofrei und im Schatten. Einige steile Rampen sind auch eingebaut - alles im allem aber gut fahrbar. Am Ende des Forstweges hat man dafür schon erste traumhafte Blicke auf das morgige Ziel - den Peitlerkofel!

Wir münden in die Asphaltstraße (1.690) zum Würzjoch. Würden wir hier rechts fahren, könnten wir gut einen Tag abkürzen - aber diese Runde ist sowieso ein einziger Umweg - also links. Auf Asphalt geht es in angenehmer Steigung bis zum Parkplatz “Geisler” (2.000). Hier treffen wir auch schon auf mehr Tourismus bzw. Motorradfahrer kleine Vorbereitung für das zu Erwartende in den Dolomiten.

Über Schotter geht es weiter vorbei an der Lüsener Scharte (2.371). Peter und ich steigen die paar Meter zur Scharte und werfen einen ersten Blick hinunter nach Lüsens. Über diese Scharte wäre es eine kleine Abkürzung nach Lüsens, der erste Teil des Steiges sieht aber eher nach Fahrspaß für Trailkünstler aus und wir wollen ja noch auf die Plose!

Fritz ist wieder einmal übertrainiert und das Frühstückchen war wohl auch zu üppig auf alle Fälle hängt er etwas hinten nach und übt bereits den Schiebemodus. Die Ausblicke sind fantastisch und an der Plosehütte (2.446) gibt es die verdiente Einkehr. Irgendwann trudelt auch Fritz ein und wir machen eine ausgiebige Mittagspause.

(Würzjoch)

Nach der empfehlenswerten Plosehütte geht es noch ein kurzes Stück auf den Forstweg hinauf bis zum Gipfelplateau (2.481) und wir können den Panoramablick genießen. Ab hier führt ein Trail über das Leonharder Kreuz (2.365) zur Ochsenalm (2.085) einige schwierige Stellen zwingen uns zwar zum Absteigen und das lose Gestein macht die Abfahrt auch nicht gerade einfach, trotzdem können auch wir “Memmen-Trailer” gut zwei Drittel fahren. Fritz fehlen natürlich auch die Höhenmeter abwärts, er will uns aber seine Trailkünste zeigen und beendet diese Show mit einem Abgang nach vorne - Ja, ja auch Abwärtsfahren will gelernt sein.

Bei der Ochsenalm ist sehr viel los, auch wir leisten unseren Wegerhaltungsbeitrag und genehmigen uns zwei Bierchen. Auf einen Forstweg geht es weiter hinunter zu den Ackerböden (1.760). Den Trail Nummer 6 verfehlen wir irgendwie, aber der folgende teilweise sehr erodierte Forstweg 3a über die Kircheralm (1.818) zum Kohlplatz (1.330) ist auch so noch mit genügend Arbeit verbunden. Einer der lästigen und steilen Gegenanstiege zwingt uns sogar, den Schiebemodus anzuwenden.

(Auf der Plose mit dem anschließenden Trail)

Beim Kohlplatz münden wir in den Weg, der von der Lüsener Scharte herunterführt. Dieser ist sehr steil angelegt und die Bremsen leisten Höchstarbeit. Plötzlich fühle ich mich wie Zuhause am Zirler Berg und denke mir, was denn hier so nach Kupplung stinkt? Da ruft Fritz schon “technischer Halt” und kühlt seine heißgelaufenen Bremsen. Neue “Billig Bremsbeläge” vor der Transalp einbauen ist halt doch keine so gute Idee!

Wir beschließen, dass Peter und ich nach Lüsens vorausfahren um eine Unterkunft zu suchen. Abweichend von unserem Plan wollen wir heute noch ein paar Höhenmeter machen. Für Montag ist nämlich schlechtes Wetter angesagt und mehr Reserve im Zeitplan kann nicht schaden. Wir finden in Lüsens auch gleich eine Infotafel und nach einem Anruf sind oberhalb von Lüsens zwei Zimmer gebucht. Doch oh Schreck, das sind ja nicht nur 300 Höhenmeter, nein 600 bei 30 Grad im Schatten. Dieser Nachschlag schmeckt nicht wirklich und die Stimmung im Team kippt bedenklich! Was soll’s, rauf auf die Räder und los geht’s. Von Lüsens geht die Straße zuerst sehr steil los, sehe ich da sehnsüchtige Blicke hinüber zum Schwimmbad? Nein, wer will denn bei 30 Grad schon baden gehen.

Ich bin noch motiviert und fahre den Jungs weit voraus. Oben angekommen, bemerke ich nach einem kurzen Stück abwärts, dass die gebuchte Unterkunft noch 100 Höhenmeter minus bedeuten würden. Diese müssten wir morgen auch noch wieder herauf fahren! Glücklicherweise ist genau an der Kuppe ein Hinweisschild zu einer anderen Pension. Ich fahre also zurück und zweige zur Pension ab Zimmer sind frei, Juhuu! Zurück zur Straße und da kommen auch schon Peter und Martin. Mein Vorschlag wird seltsamerweise widerspruchslos akzeptiert. Martin holt sich noch ein Bierchen bei der Pension und wartet an der Abzweigung auf Fritz. Unsere zwei “Verbindungsoffiziere” (Fritz und Peter) haben nämlich vergessen, ihre Telefonnummern auszutauschen. Da werden wir wohl die Packliste für nächstes Jahr erweitern müssen, diese zwei Gewichtstuningfanatiker haben doch glatt das Gehirn zu Hause gelassen.

In der sehr empfehlenswerten, familiären Pension Herolerhof gönnen wir uns einige Bierchen im Garten und nach dem Beautycheck bekommen wir auch sehr gutes und ausreichendes Essen. Für Fritz gibt es natürlich Nachschlag. Am Abend verhandeln wir die Frühstückszeit mit etwas Mühe auf 7:00 herunter, für die Wirtin zählt in der Früh nämlich jede Minute. Aber für uns macht sie eine Ausnahme wo wir doch laut ihr “no, so guatausschaun”. Das hat jetzt noch niemand gesagt!? Nach ein paar Liter Kraftstoff und einigen Kartenpartien gehen wir zufrieden und müde schlafen.

(Lüsens und Abendbeschäftigung)

Tag 2 Herolerhof - Einhäuserer Alm - Jakobsstöckl - Glitter See - Lüsnerjoch - Maurerberghütte - Würzjoch - Göma - Schlüterhütte - SasRigais

wer sein Rad liebt, der schiebt!

In der Früh erscheinen wir wie versprochen um 07:00 und bekommen ein ausgiebiges Frühstück. Das Wetter ist traumhaft und das Panorama perfekt, so startet ein Transalptag am tollsten.

Heute stört es uns natürlich weniger, dass wir die 600 Höhenmeter von Lüsens bereits erledigt haben. Recht gemütlich geht es Richtung Starkenfeldhütte (1.936) los. Kurz vor der Hütte wird der Weg steiler und verwachsener, aber er ist problemlos befahrbar. Hier heroben setzt sich der Umweg zum Würzjoch mit einigen Auf und Ab fort. Zuerst zweigen wir auf den schlechten Forstweg zur Astalm (1.960) ab, von der geht ein besserer Weg erst hinunter und ab einer Abzweigung hinauf zur Einhäuserer Alm (2.108). Habe ich schon geschrieben, dass das Panorama perfekt ist?

(Am Kamm, im Hintergrund der Peitlerkofel)

(Einhäuserer Alm, im Hintergrund der Alpenhauptkamm )

Bei der Alm wechseln wir wieder auf die andere Kammseite und folgen den gut erkennbaren Traktorspuren hinunter zum querenden Karrenweg. Dieser sehr erodierte Weg ist aufwärts teilweise unfahrbar, stellt aber kein gröberes Problem dar. Nach einen kurzem Stück abwärts, biegen wir auf einen Steig hinüber zur Grünenfelder Alm (2.114) ab. Diese hat ein genervter Hüttenbesitzer hoch eingezäunt und wir müssen diese Wand etwas mühevoll umschieben (1xRadliebe).

Dahinter treffen wir überraschenderweise auf einen guten nicht in der Karte verzeichneten Forstweg. Dieser bringt uns mit Highspeed zum Jakobsstöckl (2.011). Wieder können wir die Aussichten auf Alpenhauptkamm, Sextner Dolomiten, Peitlerkofel und zurück auf die Plose genießen, herrlich! Da der Weg zum Jakobskopf (2.088) ziemlich schlecht ist, wenden wir wieder den Schiebemodus (2xRadliebe) an, bald ist dieser aber erreicht und wir fahren hinunter zur Wieseralm (2.049).

Ab hier folge ich einfach der Beschilderung. Erst geht der Steig sehr steil hinauf (3xRadliebe), nach knapp 100 Höhenmetern geht er aber immer relativ flach und gut fahrbar weiter. Eher aus Gewohnheit kontrolliere ich die Navigation - HEEE - Wo sind wir?? Laut Navi auf keinem Steig und nicht auf unserem Track. Ausnahmsweise vertraue ich den Schildern. Dieser anscheinend neu angelegte Steig bringt uns dann auch tadellos und fast komplett fahrbar zu den fast kitschig schönen Glitterseen (2.149).

(Glitterseen mit Peitlerkofel)

Wir nehmen uns aber keine Zeit für Romantik und Trailen hinunter zur Turnaretschhütte (2.055). Ich schaffe den steilen Pfad fehlerfrei und werde dafür bei der Hütte von einem älteren Herrn angemacht ”Bisch a Wallischer?” und “Badet jemand im See?” werde ich gefragt. Glücklicherweise kommen schon die Jungs, mir ist schon etwas unheimlich!

Weiter geht es über einen Forstweg zum Lusnerjoch (2.020) und dann Richtung Maurerberghütte (2.140). Der erste Teil Richtung Hütte ist inzwischen ein neuer Forstweg. Bald endet der Weg und der folgende Steig bedeutet wieder einiges an Schiebearbeit (4xRadliebe). Vieles kann man aber auch fahren und wir landen daher recht früh bei der Hütte. Wir beschließen, ohne Einkehrschwung weiter zu fahren um bis Mittag noch ein paar Kilometer zu vernichten. Auf den Forstweg geht es rasant hinunter zu Würzjochstraße (1.863) und erste Wandererkolonnen kommen uns entgegen. An der Straße hat uns die Zivilisation dann endgültig wieder wir befinden uns mitten im Dolomitentourismus. Aber was soll’s, es ist halt einfach schön hier. Wir rollen zum Würzjoch hinauf und schaffen es, einen Rennradfahrer zu überholen. Das ist aber kein Kunststück, der ist nämlich extrem fertig und muss in jeder Kehre rasten.

Am Würzjoch (2.000) ist der Trubel heillos und wir zweigen gleich links Richtung Göma ab. Wir befinden uns jetzt endgültig unterm Peitlerkofel, dessen Anblick uns ja schon die ganze Zeit erfreut. Die Klingel erweist sich jetzt als überaus nützlich, bis zur Jausenstation ist Kinderwagenumrundungsmodus angesagt. Leider hört der gute Weg nach der Jausenstation auf. Der Trail ist überraschend anspruchsvoll und auch das erhöhte ”Wandereraufkommen” überredet mich zum Schiebemodus (5xRadliebe).

Eigentlich hätte ich die Peitlerkofel - Umrundung am Montag in der Früh vorgehabt, unser ”Vorausfahren” am Samstag hat diese aber auf heute vorverlegt. Schlauer wäre natürlich, diesen Topspot unter der Woche zu erledigen macht sicher mehr Spaß. Allerdings entschädigen die Panoramen der Dolomiten ungemein. Wir erreichen die Alm Uita di Göma. Der Einkehrschwung ist ja schon lange fällig und wir werden hier fürstlich verwöhnt. Auf der Speisekarte findet jeder etwas und da Martin noch mit irgendwelchen Reparaturarbeiten beschäftigt ist, erfinde ich gleich ein neues Spiel und rate was Martin bestellt. Natürlich liege ich richtig der große Gömateller wird geordert.

(Vor der Maurerberhütte und bei der Alm Uita di Göma)

Nach perfekter Stärkung geht es noch ein Stück bergab und dann schiebend (6xRadliebe) steil bergauf zur Göma (2.111). Mit vollem ”Bäuchlein” kein einfaches Unterfangen, aber irgendwann ist auch das geschafft.

Von hier geht  es überraschend einfach und fahrbar hinüber zum Forstweg Richtung Schlütterhütte. Nach der Durchquerung einiger italienischer Wanderergruppen gelangen wir zum letzten Schiebestück für heute (7xRadliebe!!). Steil und nach dem bereits Geleisteten mühsam, geht es hinauf zum Kreuzkofeljoch (2.360). Hier können wir dafür die Blicke hinüber zur Geislergruppe genießen.

Auf einem kurzen Stück Steig geht es hinunter zur Schlüterhütte (2.297). Wir ordern einen Liter Wein und versuchen, ein Nachtquartier zu checken. Die Schlütterhütte sieht zwar motiviert aus, die Abfahrt zur Zanseralm hätte ich aber gerne noch heute erledigt. Unsere Anrufversuche scheitern kläglich, irgendwie versteht uns die Wirtin von der SasRigais nicht. But, No Risk no Fun und wir starten aufs Geradewohl über den steilen Forstweg hinunter zur Zanseralm (1.684). Bis zur Gampenalm möchte ich diesen Weg nicht unbedingt umgekehrt fahren, sieht verdächtig nach “Quäl dich, du Sau” aus.

Ab dieser geht’s dann gemütlicher zur Sache und unten am Parkplatz navigieren wir mehr oder weniger zielgenau durch das Getümmel hinüber zur SasRigais. Hans Transalper im Glück - es sind noch Betten frei - die nehmen wir! Bad und Klo ist zwar am Gang und auch sonst bietet diese Unterkunft den Charme der 70’er, das ist nach dem heutigen Schiebemarathon aber kein Kriterium mehr.

(Schlütterhütte mit anschließender steiler Abfahrt)

Nach einigen Bierchen schreiten wir zum Beautycheck und erleben danach einen sehr lustigen Halbpensionsabend. Fritz hat wieder einmal Hunger wie ein Wolf und fragt bereits vor dem ersten Gang nach Nachschlag - Originalzitat Wirtin: ”Bei uns isch no koaner verhungert”. Als es dann aber soweit ist, erklärt die Kellnerin, dass kein Nachschlag mehr vorhanden ist. Fritz verfällt beinahe und die Kellnerin versucht die Situation mit einer Käseplatte zu retten. Martin und Fritz vertilgen diese dann auch Ratze Putz.

Inzwischen wird die Nachspeisenplatte kredenzt. Ich bin jetzt schon in einigen Locations gewesen, dieses riesige Nachspeisenbuffet des 1 Sterne Hauses sucht aber Vergleichbares! Peter und ich werden plötzlich aktiv und stehen nicht nur einmal auf. Den eigentlich satten Fritz packt der Hungerneid und er lädt sich den Teller randvoll. Martin steigt natürlich auch in dieses Spiel ein und die am Nachbartisch sitzenden Deutschen amüsiert das ganze so, dass sie kurzerhand ein ganzes Tablett zu Fritz stellen (”Das satt weasch”). Da verfällt unser Fritz in Resignation und gibt auf “OK, i hab gnua”! Den Spott und Hohn von allen Seiten muss er dafür natürlich ertragen. Ein paar Liter Wein später gehen wir nach dieser gewaltigen Tour zufrieden schlafen.

Tag 3 SasRigais - BroglesSattel - St. Ulrich - Mahlknechthütte

it’s a raining day!

Am Morgen schauen wir etwas verdutzt aus der Wäsche, in der Nacht hat es geregnet und auch jetzt ist der Himmel wolkenverhangen. Beim ausgezeichneten Frühstück sinniere ich noch über Alternativen nach, aber von hier nach St. Ulrich ist eigentlich nur der Broglessattel sinnvoll.

Wir starten daher etwas demotiviert und folgen dem Forstweg kurz hinunter bis zur Abzweigung (1.634) und danach hinauf zu den Gschnagenhardt Almen (2.000). Es beginnt jetzt leicht zu nieseln und das hebt die Stimmung auch nicht gerade. Die letzten 100 Höhenmeter zu den Almen werden zur steilen Rampe und sind für uns unfahrbar. Auch die Almen sind in Nebel gehüllt und die Aussichten sind gleich null.

An dem Bike-Verbotsschild vorbei, geht es jetzt weiter auf den sehr lästigen Adolf Munkel Weg. Auch bei Trockenheit werden hier nur Trailspezialisten ihr ”verbotenes” Vergnügen haben, wir kommen kaum in Versuchung, das Bike-Verbot zu brechen. Es geht immer sehr verblockt etwas bergab und bergauf und das lästige Nieseln bzw. die kaum sichtbare Geislergruppe lassen diese “Schiebevergnügen” etwas sinnlos erscheinen. Nach einer letzten steilen Passage erreichen wir die Brogleshütte (2.045) und schieben gleich weiter zum Brogles Sattel (2.119).

Hier könnte man links auf einen Trail abzweigen, dieser ist anscheinend nur zu gewissen Uhrzeiten erlaubt - Schild kann ich aber keines entdecken. Bei der Nässe heute ist der aber sowieso keine Option für uns. Wir fahren daher über den schönen Höhenweg 35 hinüber zur Saltner Alm (2.119). Leider wieder nur mit erahnbaren tollen Aussichten. Der Weg verläuft recht flach, hat aber auch ein paar kurze Steilstücke eingebaut.

Bei der Alm reicht es mir dann endgültig und wir kehren ein. Eine deutsche Transalp Gruppe ist masochistischer und fährt gleich ab, da wird es heute wohl noch Waschtag geben. Wir ordern erst einmal Tee (Ja, richtig gelesen) - um unseren guten Ruf nicht ganz zu zerstören ordne ich gleich vier Grappa hinterher. Der Regen wird stärker und wir beschließen, hier Mittag zu machen. Die Jausenplatte ist spitze und die superscharf geschliffenen Messer zum Speck schneiden bestens geeignet. Die Messer würden wir daher am liebsten mitgehen lassen. Unser ”Das-Wetter-Schönessen” funktioniert wieder einmal und es hört endlich auf zu regnen. Wir beschließen nach St. Ulrich (1.181) abzufahren und ein Hotel mit Sauna zu suchen. Auf unsere Frage ob der Senner ein solches kennt, antwortet dieser ”wird schwer sein” ganz verdutzt schauen wir ihn an und er vollendet den Satz “schwer sein, a Hotel ohne Sauna zu finden”. Von einem Südtiroler veräppelt - wir werden alt.

(Broglesalm und die Abfahrt nach St. Ulrich)

Da der Forstweg noch komplett nass ist, fahren wir recht langsam ab. Ohne gröberes Orientierungsproblem landen wir in St. Ulrich. Die Sonne schaut schon wieder zaghaft hinter den Wolken hervor.

Laut Plan sollten wir ja heute noch hinauf auf die Seiser Alm und bevor wir kein Hotel mit Sauna finden (wir ziehen uns gerade vor einem solchen um). Richtung Seiser Alm gibt es genügend Möglichkeiten einzukehren, daher beschließen wir, noch so weit wie möglich zu fahren. Auf einer asphaltierten, sehr steilen, aber zumindest autofreien Nebenstraße geht es hinauf Richtung Seiser Alm. Unsere Gruppe reißt weit auseinander, denn diese Rampe ist keine einfache Nachmittagsbeschäftigung. Endlich oben, fahren Peter und ich voraus zur Ritsch Schwaige (1.877) und checken diese Unterkunft. Sieht zwar recht motiviert aus, da das Wetter aber zu halten scheint, rufen wir bei unserem ursprünglichen Ziel der Mahlknechthütte (2.055) an. In der Hütte ist noch was frei und wir fahren auf den schmalen, steilen Weg hinter dem Gasthaus weiter. Der Weg wird bald flacher und führt mit Blicken auf den Plattkofel schön am Kamm entlang.

Fritz bleibt schon wieder weit zurück. Wir denken uns aber nichts dabei, die Hütte ist ja immer gut angeschrieben und nicht zu verfehlen. Es ist heute recht frisch hier heroben und nachdem wir die Räder in der Garage verstaut haben, setzen wir uns in die Gaststube und ordern eine Runde Bier. Wir entdecken schon wieder ein tolles Spiel, die Stiegl-Bierflaschen haben einen Verschluss, den man aufreißen kann und befindet sich ein Stieglsymbol im Deckel, bekommt man ein Gratisbier! Das ist eine helle Aufregung und Nervosität bei jeder neuen Flasche ;-).

(Plattkofel von der Mahlknechthütte aus)

Bei der zweiten Runde erscheint mir die Abwesenheit von Fritz doch etwas lange und Peter ruft ihn an. Ja, alles klar - zur Mahlknechthütte, er kommt bald. Nach einer weiteren halben Stunde rufen wir nochmals an. Weil Fritz bei der Hütte keine Räder gesehen hat, ist er trotz Navi an der Hütte vorbei, zum Joch hinauf und danach schon ein Stück hinuntergefahren - dieser Streber, macht doch glatt ein Sondertraining. Wir können ihn doch überreden, zurück zu fahren und nach einer weiteren halben Stunde kommt auch er endlich zum wohlverdienten Bier. Die Hütte (www.mahlknechthuette.com) können wir wärmsten empfehlen, es handelt sich eigentlich um ein Gasthaus mit ordentlichen Zimmern und die HP ist absolutes TOP. Beim traumhaften Vorspeisenbuffet stehen wir daher mehrmals auf und auch der Hauptgang lässt keine Wünsche offen. Nach der üblichen Abendbeschäftigung gehen wir daher mehr als zufrieden schlafen.

Tag 4 Mahlknechthütte - Friedrich August Weg - Sellajoch - Rif Fodarola - Campitello

der Unvollendete

Berauschend ist das Wetter heute Morgen auch nicht, aber es ist zumindest trocken und nach sehr gutem Frühstück können wir die heutige Etappe angehen. Wir befragen noch die Wirtin, wie ernst die Bikeverbote wirklich genommen werden und sie meint nur “da Förschter isch no nit munta und da oben miast’s eh schiaben”. Also nehmen wir den verbotenen 7’er Steig, der uns die paar Höhenmeter zum unmotiviert wirkenden Gasthof Dialer (2.145) erspart - und richtig, weiter oben müssen wir ein kurzes Stück schieben. Auf einem Forstweg geht es weiter zum Mahlknechtjoch (2.183).

Gerade hinunter würde es auf breitem Forstweg direkt zu unserem Ziel Campitello gehen, wir fahren lieber einen Umweg - also links - erst noch auf einem Forstweg, der aber bald zu einem breiten erdigen Steig wird. Umgekehrt wäre dieser Steig sicherlich ein größeres Vergnügen, aber auch aufwärts kann man knapp die Hälfte sehr gut fahren. Eigentlich nerven nur die vielen Gatter bis zur Plattkofelhütte (2.300). Ab dieser steigen wir dann in den faszinierenden Friedrich August Weg ein. Teilweise sehr ausgesetzt und mit steilen Passagen (auf und ab) führt der Weg unterhalb des Plattkofels hinüber zum Rifugio Sandro Pertini (2.310). Unser Fahrkönnen reicht bei weitem nicht und wir legen das meiste schiebend zurück. Ab dem Rifugio wird es in dieser Richtung wesentlich einfacher und wir können sehr viel fahrend bewältigen - erst vor dem Rifugio Friedrich August (2.300) zwingt eine steile Passage zum Schieben. Die tollen, durch das Wetter etwas verstellten Ausblicke und der faszinierend gebaute Weg wiegen die Mühen aber mehr als auf. Unsere frühe Abfahrt lohnt sich, erst kurz vor der Friedrich August Hütte kommen uns größere Wandergruppen entgegen.

(Abfahrt von der Unterkunft und Fritz am Friedrich August Weg)

(Friedrich August Weg und ein Yak)

Bei der Hütte ist natürlich ein Fototermin unter dem witzigen Riesen-Yak Pflicht und danach geht es hinunter zur Straße (2.192) und dann noch ein kurzes Stück hinauf zum Sellajoch (2.248).

Leider bemerke ich bei der Abfahrt, dass meine hintere Bremse schwammig wird - da wird doch nicht Luft im System sein? Da es wieder leicht zu tröpfeln beginnt, beeilen wir uns hinunter zur Abzweigung (1.820) um schnell zum Pordoijoch zu kommen. Wir brausen die Asphaltstraße hinunter und wieder könnten wir einfach gerade hinunter zu unserem Ziel Campitello rollen. Das Wetter kann sich noch immer nicht zwischen schlecht oder gut entscheiden und daher beschließen wir, weiter auf unserem Umweg zu bleiben. Wir fahren über die in gemütlicher Steigung angelegten Straße hinauf bis zum Hotel Pordoi (2.112). Dort zweigen wir auf die teilweise sehr steile Forststraße zum Rifugio Fedarola (2.380) ab. Einige Höhenmeter müssen wir schiebend erledigen und ich bin froh, das Rifugio endlich zu erreichen. Über den Einkehrschwung wird nicht debattiert und kaum steht das Essen im Rifugio auf dem Tisch, beginnt es draußen richtig zu schütten - schon wieder Glück!

(Fotomodell Fritz und die Bike Garage vor dem Rifugio Fedarola)

Einige Transalp-Gruppen fahren trotz des Sauwetters Richtung Bindlweg. Wir trinken lieber das Wetter schön. Leider dauert das heute länger und wir liegen jetzt schon weit hinter unserem Zeitplan. Ein gatschiger Bindlweg plus eine steile Abfahrt zum Fedaia See erscheint mir heute nicht mehr spaßig. Als der Regen endlich aufhört, beschließen wir aus diesem Grund, gleich zurück zu fahren. Wir holen sämtliche Kleidungsstücke aus dem Rucksack und rollen langsam auf dem Weg hinunter, dann auf der Pordoi Passstraße bis zur Abzweigung und dann links, hinunter nach Canazei. Das Wetter hier herunten ist schon wesentlich freundlicher und wir suchen einen Bikeshop, der mein Bremsproblem beheben soll. Der kleine Shop in Canazei kann das nicht lösen, es wird mir dort aber eine Werkstatt in Pera empfohlen. Wir adjustieren uns wieder sommerlich und rollen weiter nach Campitello (1.410). Ein Hotel ist auch gleich ausgekundschaftet und ich verlasse die Jungs, um die Sonderkilometer nach Pera zu machen.

Der Bikeshop stellt sich als Autowerkstatt heraus, in der auch Räder repariert werden. Der Besitzer ist zwar sehr bemüht und wir versuchen gemeinsam irgendwie Öl in die Bremsleitung zu bringen, ohne Befüllspritze schaffen wir es aber eher, nur noch mehr Luft in das System zu bringen. Ich darf nach diesem sinnlosen Umweg wieder zurück strampeln und treffe wieder auf die Jungs, die sich gerade in der Sauna entspannen - ungerechte Welt.

Nach ein paar Bier und Beautycheck sieht die Welt gleich viel besser aus und das ausgezeichnete Abendessen besänftigt mich dann endgültig. Martin und Fritz laufen wieder zu alten Höchstformen auf und ordern am Abend noch eine Jausenplatte - nach einem weiteren Liter Wein gehen aber auch sie schlafen.

Tag 5 Campitello - Rif. Gardecia - Rif. Bellavista - Valongia - Karer Pass - Karer See - Templweg - Obereggen - Schwarzenbach - Lavaze Joch - Jochgrimm - Auer - Tramin

da war ma scho amol!

Am Morgen werden wir von strahlendem Wetter begrüßt, das freut uns natürlich ungemein und nach ausgezeichnetem Frühstück (auch ein Vorteil in Südtirol, überall gibt es ohne Verhandlungen reichlich Frühstück und Abendessen) geht es heute wieder hoch motiviert weiter.

Zuerst fahren wir hinunter nach Manzin (1.365) und fahren hier einen Umweg über das Rifugio Gardecia (1.952) unterhalb des Rosengartenmassives. Die asphaltierte Straße führt unrhythmisch und teilweise sehr steil hinauf zum Rifugio und auch die Hüttenshuttle Busse nerven etwas. Besser aber ein paar nervende Busse als alle Wanderer mit eigenem PKW. Die Ausblicke auf Rosengarten und die Vajolet Türme machen diesen Umweg mehr als lohnend - ein einziger Augenschmaus.

Nach der Hütte geht es auf einem Forstweg leicht bergab und danach zweigen wir auf den relativ flachen Weg 540 (1.964) zum Rif Bellavista (2.000) ab. Dieser breite Steig ist ein leichter Trail und da uns die Wanderermassen um diese Uhrzeit von der Liftstation entgegenkommen, sehen sie uns früh genug und können ohne Probleme ausweichen.

(Was will man mehr?)

Vom Rifugio geht es über einen sehr steilen Forstweg entlang der Schipiste hinunter Richtung Valongia (1.504). Eine Abkürzung spart uns ein paar Höhenmeter und führt uns zur Straße zum Karer Pass. Man könnte die Straße zwar mit etwas Mühe umgehen, sie ist jedoch in geringer Steigung angelegt und die schauenden Touristen sind mit den Autos sehr langsam unterwegs und stören daher kaum. Einige Motorradfahrer werden darüber sicher anders denken.

Wir rollen gemütlich zum sehr touristischen Karer Pass (1.754) und von diesem gleich hinunter zum ebenso touristischen Karer See (1.569). Martin behauptet stock und steif, dass er und ich hier bereits einmal waren “ich kann mich nicht erinnern” und sofort wird eine Kiste Tiroler-Bier gewettet (Martin nur zur Erinnerung!).

Kurz nach dem See zweigt ein Steig Nummer 8 ab. Der Templweg führt fast komplett flach hinüber zur Asphaltstraße (1.484) nach Obereggen (1.558). Leider ist der Weg heute noch ziemlich gatschig und wir können ihn nicht mit vollem Speed fahren. Der Tourismus hält sich hier auch in Grenzen und ich fühle mich nach den Wanderermassen wieder wesentlich wohler. Am Ende des Templweges geht es auf der breiten Straße hinauf zum irgendwie ausgestorben wirkenden Skiort Obereggen. Da es noch nicht Mittag ist, brausen wir gleich hinunter zur Lavazze-Joch Straße. Dieser folgen wir aber nicht, sondern bauen geradeaus einen autofreien Umweg ein. Der durch die nächtlichen Unwetter etwas ramponierte, aber tolle Weg Nummer 8, führt uns hinüber nach Schwarzenbach (1.297). Martin erscheint der Einkehrschwung etwas zu nobel!? Na, der wird doch im Alter nicht wählerisch werden? Da bis zum Lavaze Joch kein weiteres Gasthaus in Sicht ist, ist mir Noblesse egal. Der Einkehrschwung ist mehr als perfekt und das Stieglbier-Spiel ist auch vorhanden - schön, da wird uns nicht langweilig.

(Karersee und Templweg)

Nach übergroßen Portionen und zwei Runden Verdauungsschnaps hat der Kellner so seine Bedenken, ob wir es noch aufs Radl schaffen - na, da kennt er uns aber schlecht - so was haut doch einen Tiroler nicht um.

Der zuerst asphaltierte Forstweg zur Malga Campo starte in angenehmer Steigung, wird dann aber zur steilen Rampe - mit unseren vollen Bäuchen eine echte Herausforderung und die ganz steilen Passagen kosten große Mühe. Bei der Malga warten wir zusammen und folgen den jetzt wieder humaneren Weg hinüber zum Lavaze Joch (1.800) mit dem netten See. Hier ist wieder mehr Tourismus und nach der obligatorischen Fotopause fahren wir gleich über Asphalt hinüber zum Jochgrimm (1.990) - heute ist ja noch genug zu tun.

(Zu Nobel? - Martin beim See am Lavaze Joch)

Am Joch zweigen wir auf den neu hergerichteten Forstweg Nr.1 ab, der später zum sehr erodierten, aber problemlos befahrbaren Weg wird. Nach einem lästigen Gegenanstieg und mehreren Gattern gelangen wir zu einem tollen Aussichtspunkt (1.855). Der Blick hinunter in den Canyon, der vom Weisshorn her abfällt ist einen Halt allemal wert.

Ab zirka einer Höhe von 1.700 wird der Forstweg besser und wir können es richtig laufen lassen. Der Forstweg wird bald zur Asphaltstraße und die Höhenmeter Vernichtung bringt uns rasant bis zur Brücke (749), die den Canyon des Schwarzenbaches überspannt. Natürlich ist blöd links und rechts hinunterschauen angesagt.

Wir gelangen zur Hauptstraße hinunter nach Auer (245), die vom Val di Fiemme herüberführt - waren wir da nicht am Morgen? Aber wie ist das Credo dieser Runde ”Ein einziger Umweg!”. Vor uns breitet sich das Etschtal aus und wir haben von hier tolle Blicke auf die noch folgenden Touren hinüber zum Roen und zum Rittner Horn.

Wir fahren über die optisch reizvolle und gewagt in den Fels gebaute Straße hinunter nach Auer und queren das Etschtal. Da keiner von den Jungs mehr motiviert ist Windschatten zu machen, hänge ich mich einfach bei zwei Rennradfahrern rein - geht doch. Nach kurzer Auffahrt gelangen wir zu unserer Unterkunft in Tramin (252).

(Weisshorn)

(Strasse nach Auer)

Das Bikehotel Traminer Hof (www.traminerhof.it) ist besten auf die Biker eingestellt und es steht sogar ein Kärcher zur Reinigung der Räder bereit. Auch Kleiderwäsche ist möglich und ausnahmsweise fragt der Wirt sogar, wann wir am nächsten Tag frühstücken wollen - alles perfekt. Nachdem wir das Bike und uns gereinigt haben, würde mich eigentlich nach einem Bier am Pool dürsten - Nix da, Armin (der Juniorchef) ruft bei einem Bikeshop an und ich ”darf” noch 4 Sonderkilometer hinüber nach Neumarkt fahren. Dafür gibt es dort professionelle Hilfe für mein Bike. Nach einer knappen Stunde habe ich für 20 Euro wieder eine funktionierende Bremse und der Schrauber biegt mir auch gleich noch die Bremsscheibe gerade und justiert die Bremssättel - Danke. Diesmal hat sich der Umweg gelohnt.

Als ich wieder zum Hotel gelange, opfert sich Martin natürlich sofort, um mit einem Bier auf diesen Erfolg anzustoßen. Anschließend schreiten wir zum ausgezeichneten Abendessen und ein Nachschlag für Fritz ist auch verfügbar. Nach ein paar Liter Wein gehen wir zufrieden schlafen. Nur die alten Zimmer wollen - bei diesem recht hohen Preis - nicht ganz zum sonst so tollen Gesamtkonzept passen.

Tag 6 Tramin - Roen - Mendlpass - Andria

welche Richtung ist die richtige??

Wir wählen natürlich den ersten möglichen Frühstückstermin 7Uhr10. Nach ausgiebigem Frühstück können wir vor dem Hoteleingang einen Blick hoch zum Roen werfen - knappe 2000 Höhenmeter am Stück - na dann los.

Armin empfiehlt uns einen körnersparenden flacheren Umweg. Daher fahren wir von Tramin hinüber nach Söll, von dort kurz steil hinauf und dann auf einen netten flachen Forstweg hinüber zu unserem ursprünglichen Track. Weiter geht es mit tollen Ausblicken und noch immer recht moderat hinauf nach Graun (850). Die Uhrzeit ist ideal, in der Mittagshitze würden wir in dieser Wand ganz schön schmoren.

Der folgende Forstweg zum Grauner Joch (1.800) ist etwas unrhythmisch angelegt, aber trotz unserer doch schon recht müden Beine gut fahrbar. Auf einer Höhe von knapp 1200 passieren wir den letzten Brunnen bis zum Roen - unbedingt auftanken. Die 1.600 Höhenmeter bis zum Joch ziehen sich natürlich, dafür wird man oben nach der kurzen Querfahrt zum Wetterkreuz mit traumhaften Blicken hinüber in die Dolomiten und hinunter auf den Kalterer See belohnt.

Hier steht übrigens auch die solarbetriebene Zeitnehmung vom Traminerhof, wer Lust und Laune hat, kann mit einer Keycard beim Hotel starten und hier die Zeit stoppen. Wir brauchen knappe drei Stunden - die Bestzeit ist knappe zwei Stunden - mir scheint, wir müssen noch mehr Wein trinken!

(Neues Rad für Fritz und der Blick auf den Roen)

(Am Grauner Joch mit Blick zum Kalterer See)

Nach der Pflicht folgt die Kür - nach dem Wetterkreuz folgt eine erste steile Schiebestelle, anschließend geht es flacher, teilweise fahrbar hinüber zum Schwarzer Kopf (1.983). Ab diesen folgt eine mörderisch steile Tragestelle, danach kann man teilweise fahrend hinüber Richtung Roen queren.

Die letzte Schiebepassage ist nicht mehr so extrem, bringt den Puls nach dem geleisteten aber ganz locker bis zum Anschlag und ich muss mehrmals verschnaufen. Endlich stehen wir am Roen (2.116) und genießen den Gipfelsieg.

Der Steig vom Wetterkreuz zum Roen wird ja abwärts als Traumtrail beschrieben und ab dem Grauner Joch gibt es auch noch einen Steig, abseits des Forstweges, bis nach Tramin - für uns sicher zu schwierig.

(Tragepassage und Gipfelglück)

Am Gipfel genießen wir die Panoramen und gehen den genüsslicheren Teil an. Die Abfahrt ist die eigentliche Überraschung, bis zur Malga Romeno (1.766) ist es ein für uns fahrbarer Trail. Der schmale Weg ist sehr verblockt und steil und umgekehrt sicher kein Honiglecken. Einer schiebend entgegenkommenden Bikergruppe können wir diesen Umstand in den Gesichtern ablesen. Ich bin heilfroh über meine wieder funktionierende Bremse.

Bei der Malga genehmigen wir uns eine ausgedehnte Mittagsrast, da die Hauptaufgabe für heute ja glücklicherweise schon erledigt ist. Bewundernd schauen wir einem Biker nach, der von der Malga Richtung Roen den Weg bis zur ersten Kehre durchdrückt ”Respekt” was der etwa nach der Kurve macht??

Von der Malga führt uns ein schöner Forstweg hinüber Richtung Mendlpass. Vor der Halbweghütte (1.588) folgt aber überraschenderweise noch eine Trailpassage. Auf dieser falle ich natürlich ausgerechnet bei der größten Wandereransammlung auf die Nase.

Ab der Hütte geht es wieder auf breiten Forstweg hinüber zum Mendelpass (1.369). Nach dieser teilweise schwierigen Abfahrt, sind wir uns nicht sicher, ob unsere Richtung soooo falsch war und verstehen, warum die Trailer den Weg zum Mendelpass mit der Standseilbahn erledigen.

(Kalterer See von der Mendelpassstraße)

Für die Trailer ist die folgende Abfahrt auf Asphalt bis zur Kehre 6 natürlich nix, uns gefällt die wieder einmal faszinierend in den Fels gehauene Straße aber trotzdem. Bei der Kehre zweigen wir auf den Höhenweg ab und folgen diesen zuerst flach weiter. Blick aufs Navi - natürlich sind wir falsch - zurück zur Kehre und steil, aber fahrbar hinunter immer Richtung Steinegger (620).

Hier machen wir einen nachmittäglichen Einkehrschwung und bei Wein, Kaiserschmarrn, Espresso und Grappa fühlen wir uns pudelwohl. Auch heute erhalten wir eine Lektion von einer Südtirolerin “Espresso und Grappa ist nichts Gewaltiges”, wie Martin bemerkt, als Selbiges serviert wird. “Nein, das ist etwas Kleines” - auch recht.

(Bei Eppan und Burg Hocheppan)

Nach dieser tollen, empfehlenswerten Location geht es über die netten Dörfer mit alten Gebäuden hinunter bis Unterrain (255) und weiter über den Radweg mit etwas Steigung nach Andrian (275). Der Stamserhof (http://www.stamserhof.it) hat noch Zimmer frei - 39 Euro mit Frühstück, nagelneu renoviert und mit angeschlossener Pizzeria - Bikerherz was willst du mehr. Die Ala Carte Bewirtung ist dann auch ausgezeichnet.

Mich ereilt heute Abend leider ein Müdigkeitsanfall und ich gehe sehr früh schlafen, egal Peter, Martin und Fritz werden schon noch einen Liter trinken.

Tag 7 Andrian - Mölten - AuenerJöchl - Sarnthein

- i mag nimma!

Eigentlich ist ja für den ganzen heutigen Tag Schlechtwetter mit Regen angesagt. Ein Blick aus dem Fenster overruled glücklicherweise den Wetterbericht. Die Berge sind zwar in Wolken gehüllt, aber nach Regen sieht es nicht aus.

Nach dem ausgezeichneten Frühstück steht der Abfahrt nichts mehr im Wege. Die Wirtin versucht, ein Foto von uns zu machen und ordert uns immer weiter nach hinten, weil sie uns nicht “draufbringt”. Peter kann danach vor Lachen fast nicht mehr Rad fahren. Was immer die Wirtin gesehen hat, sicher nicht das Display an der Kamera.

(Passen wir noch drauf?)

Auf der Haupstraße geht es hinüber nach Terlan (250) und wir folgen der breiten Asphaltstraße hinauf nach Mölten. Der Verkehr hält sich in Grenzen und ein paar tolle Aussichten Richtung Meran, Bozen und dem Mendelpass sind auch vorhanden. Daher gestaltet sich die Auffahrt bis Außerspergs (1.027) recht kurzweilig.

Die gleichmäßige und moderate Steigung sind für die Beine eine richtige Wohltat und ich kann die Verspannungen quasi ”wegkurbel”. Na ja, so ein Tag auf der Massagebank würde vielleicht auch helfen, aber “Hallo” - wir haben Urlaub, wir wollen Biken.

Auf der Hochebene geht es flacher über Verschneid (1.080), etwas auf und ab nach Mölten (1.100). Hier folgt wieder ein steiles Stück, danach geht’s wieder gemütlicher über Aschl (1.237) zum Wirtshaus Grüner Baum (1.321) weiter. Hier zweigen wir auf den weiterhin recht flachen Weg Richtung Leadner Alm (1.503) ab.

Eigentlich hätte ich hier Mittagspause geplant, wir sind unserem Zeitplan aber ein Stück voraus und die jetzt doch schon bedrohlicher wirkenden Wolken überreden uns zur Weiterfahrt. Der Forstweg geht noch immer gemütlich weiter und bei einer Höhe von 1650 sehen wir endlich den ersten Brunnen des Tages. Bei der Auffahrt sind uns sonst nämlich keine Wasserversorgungsmöglichkeiten aufgefallen. Entweder ist das ein sehr karstiger Hügel oder das gesamte Wasser wird für die Landwirtschaft abgezweigt. Auf alle Fälle können wir hier unsere leeren Wasserflaschen auffüllen.

Knapp 50 Höhenmeter unter dem Auener Jöchl (1.925) endet der Forstweg und geht in einen verblockten Steig über. Diese Schiebehöhenmeter sind aber kein Problem mehr und wir erreichen das Jöchl.

(Straße Richtung Leadner Alm und das AuenerJöchl)

Nach Regen sieht es nicht wirklich aus, die ”Aussichtenverstellenden” Wolken und der kalte Wind dienen aber als wunderbare Ausrede, den geplanten Abstecher zum Stoanernere Mandl (2.000) nicht zu machen. Mit Fotopause wäre das vielleicht eine dreiviertel Stunde Umweg zu Fuß und bei Schönwetter ist der Abstecher wohl eine Pflicht.

Nach der Pause am Jöchl fahren wir den erodierten steilen Weg hinunter zur Auener Alm (1.780). Peter bemerkt noch im letzten Moment die plötzliche Leichtigkeit seines Seins, dreht um und nimmt doch seinen Rucksack mit - 100 Höhenmeter weiter unten hätte er das wohl nicht mehr ganz so lustig empfunden.

Es ist bereits Mittag, da es hier heroben aber ziemlich kalt ist, beschließen wir, in Sarnthein (975) ein wärmeres Plätzchen zu suchen. Von der Auener Alm führt ein sehr steiler Forstweg weiter zum Auener Hof, in umgekehrter Richtung sicher kein Vergnügen.

Kurz nach dem Auener Hof würde links der Trail Nummer 2 abzweigen. Trotz der verlockenden Bikespuren, die am Steig zu erkennen sind, wähle ich heute lieber die Asphaltstraße hinunter “i hoab an Hunger und an Duarscht und i moag nimma”! Auf der schmalen Straße sind die Höhenmeter bald vernichtet und wir erreichen Sarnthein.

(Bei der Abfahrt Richtung Sarnthein)

Die Gasthaussuche gestaltet sich äußerst schwierig und erst nach einigem Hin und Her finden wir ein motiviert wirkendes Solches mit Gastgarten. Die Temperatur hier herunten passt wesentlich besser und im gemütliche Gastgarten schmeckt das Bier und das Essen doch gleich viel besser.

Nach dem Essen entwickelt Martin die Idee, heute noch ein paar Höhenmeter zu erledigen, denn laut Plan wären wir eigentlich am Ziel. Heute habe aber einmal ich die Schnauze voll und ganz so schwierig ist es nicht, Martin zum nachmittäglichen Faulenzen zu überreden. Fritz und Peter sind wie üblich brav und machen, was man ihnen sagt.

Am Info-Point finden wir rasch eine geeignete Unterkunft und fahren zum Hotel Olympia - ein unglaublicher Glücksgriff. Neu renoviert mit schönen Zimmern inklusive Hallenbad und kleinem Wellnessbereich - das fängt ja gut an. Endlich komme ich zu meinem Saunanachmittag und den genieße ich in vollen Zügen. Nach Whirlpool, Sauna und Dampfbad schmeckt das Bier doch gleich viel besser und weil wir schon so hungrig aussehen, bekommen wir gleich eine kleine Jausenplatte auf Kosten des Hauses. Bravo, so ! 

Die Sensation folgt beim Abendessen - nach den Vorspeisen Schinken mit Melone, Suppe und einer Portion Spagetti nebst großem Salatbuffet folgt als Hauptgang eine Forelle - Wow. Als Nachspeise bekommen wir dann noch eine Eispalatschinke. Natürlich ordern wir nach dieser Orgie Espresso und Grappa - ein Traum. Nicht einmal Fritz verlangt nach einem Nachschlag. Den Fisch lassen wir natürlich in reichlich Wein schwimmen und vernichten den Vorrat an Eigenbauwein zur Gänze. Dieses Hotel empfehlen wir gerne weiter (http://www.hotel-olympia.net).

Tag 8 Sarnthein - Rittner Horn - Gfohler Alm - Albeins

what a niceview.

Das Frühstück ist hier natürlich auch perfekt und die Eierspeise wird für uns selbstverständlich frisch zubereitet. Fast sind wir geneigt hier zu bleiben, aber unsere Abschlussetappe ruft.

Zuerst rollen wir auf der Hauptstraße hinunter bis Bundschen (903) und zweigen links auf die kleine Nebenstraße ab. Jetzt wird es ganz schön deftig. Die Straße bis Windlahn ist in teils irrwitziger Steigung angelegt. Die steilen Auf- und Abfahrten habe ich in der 50.000’er Karte vorher natürlich nicht gesehen und daher ist dieser ”Morgensport” unerwartet heftig. Ab den paar Höfen bei Windlahn geht es glücklicherweise auf einen Forstweg wesentlich gemütlicher weiter. Fritz verblüfft uns wieder ganz gewaltig, nachdem er jetzt sieben Tage mehr oder weniger hinten nach gefahren ist, ist sein Trainingsprogramm jetzt anscheinend abgeschlossen und er fährt frisch und fröhlich voraus - unglaublich.

(Weg erst steil und dann erträglich)

Nach dem Bauernhof auf 1.400 geht es hinüber Richtung Buschenschank Roaner (1.600) und langsam werden die Aussichten besser. Bis hierher wollten wir gestern fahren, knappe 800 Höhenmeter plus hätte das bedeutet. Na ob wir da noch lustig drein geschaut hätten, ich denke eher nicht.

Ab der Jausenstation Manuela (1.673) haben wir die ersten freien Blicke Richtung Rittner Horn. Sieht gar nicht mehr so weit aus, der folgende Forstweg hat aber auch noch ein paar Schnapper eingebaut und zieht sich noch etwas.

Bei knapp 1.900 geht der Baumbewuchs zurück und wir bekommen ein sensationelles Panorama geboten. Unsere gesamte Transalp-Runde können wir einsehen und die Dolomiten mit Peitlerkofel, Langkofel, Plattkofel, Geislergruppe und Rosengarten liegen vor uns. Auch Blicke zurück auf den Kalterersee mit dem Roen und das Auenerjöchl sind möglich. Das ist ein absolut traumhaftes “Must have” und ein würdiger Abschlussumweg dieser Runde. Bei diesen Panoramen ist der Abstecher nach dem Unterhornhaus (2028) hinauf zum Rittner Horn Haus (2.253) natürlich ein Muss. Leider ist es heute etwas diesig und die Fotos werden der Realität nicht ganz gerecht.

(Vor und am Rittner Horn)

Wir genießen diese Aussichten ausgiebig und da bis Mittag noch etwas Zeit ist, fahren wir gleich weiter - erst wieder zurück und dann nach rechts mit ein paar kleinen Gegenanstiegen über den Gasteiger Sattel (2053) hinunter zur Alm Moar in Plun (1.861). Jetzt ist es aber höchste Zeit für eine Rast und da das meiste schon getan ist, gönnen wir uns eine ausgiebige Mittagpause. Leider wird die Bewölkung dichter und wir verlassen diesen gemütlichen Platz, um nicht noch am letzten Tag eingewässert zu werden. Die Fahrt über die Stoffelhütte zur Gfohler Alm (2.122) wird daher ein wenig stressig und wir nehmen uns nur wenig Zeit, die Ausblicke zu genießen.

(Noch ein Blick in die Dolomiten und an der Gfohler Alm)

Es folgt die Abfahrt bis zur Nöcklhütte (1915) und dann geht es über Asphalt fast direttissima hinunter nach Klausen (514). Im engen Thinnetal hat nur die Straße und der Bach Platz und die Abfahrt bietet einige reizvolle optische Eindrücke.

(Abfahrt mit Tunnel vor Klausen)

Eigentlich wollte ich ja in Klausen einen abschließenden Einkehrschwung machen, der drohende Regen überredet uns aber, die knappen 10 km nach Brixen noch schnell zu erledigen. Der Radweg ist auch gleich gefunden und dieser schön ausgebaute Weg führt uns entlang der Eisack Richtung Brixen. Über die alte Brücke kommen wir nicht nach Albeins, na da nehmen wir halt die neue.

Noch kurz zu den Autos hinauf gestrampelt und die “kleine” Runde ist geschlossen. Die Verlockung ist groß, einfach weiterzufahren und noch eine Runde zu drehen - jetzt wo wir den Weg kennen! Der Urlaub ist aber leider vorbei und etwas widerwillig verstauen wir die Räder.

Die Gasthaussuche für das Abschiedsbierchen gestaltet sich etwas schwierig, da in Albeins alles geschlossen hat. In Brixen werden wir doch noch fündig und danach geht es wieder ab nach Hause.

Transalp 2009 - Epilog

Da wir heuer einen sehr spendablen Sponsor hatten (Danke Elvira), habe ich auch gleich einen passenden Namen für diese Suuuuperrunde gefunden - Elvira ist ja schließlich auch unsere Beste.

Die Dolomiten sind ein optischer Traum und die Unterkunftssuche gestaltet sich in dieser Tourismushochburg (zumindest noch Anfang Juli) sehr einfach. Die kulinarische Versorgung ist in Südtirol absolut top und ohne Sprachbarriere ist die Unterhaltung mit der Bevölkerung natürlich wesentlich netter.

Diese Runde ist wärmstens zu empfehlen. An der Streckenführung würde ich kaum was ändern - nur der unvollendete Bindlweg muss noch nachgeholt werden.

Mehr demnächst in diesen Theater.