1.Tag - ca 1.600 Hm, 46 km – Let’s go West
Galtür – Zeinisjoch - St.Gallenkirch – Gargellen – Schlappiner Joch - Klosters

Fritz und Peter lassen sich bereits um fünf Uhr von Lienz nach Brixen shutteln (Danke Annemarie) und werden dort von Martin abgeholt.


Die Reise geht weiter nach Zirl um mich aufzuladen. Das ist der Vorteil des Planers, meine Anreise ist die kürzeste. Weiter geht’s mit den Shuttelservice (Danke Günther) nach Galtür.

Eigentlich wollten wir mit dem Auto noch ein Stück weiter fahren, aber wegen irgendeines Umzuges ist die Durchfahrt durch Galtür gesperrt – Egal, dann geht es halt schon ab hier mit eigener Muskelkraft weiter. Das Wetter ist traumhaft und die Sicht ist so klar wie an einem Herbsttag! Wer will den da schon Auto fahren?


Der folgende Teil ist eine biketechnisch unspektakuläre „Anreise“-Etappe nach Gargellen. Zuerst geht es auf Asphalt recht steil hinauf zum Zeinisjochhaus (1.820) mit nettem See und grandiosen Blicken. Witzig ist der Fahrverbot für Räder talwärts!?



....am See


…und bei den letzten Metern zum Joch

…so a fescha Kearl!!
Am frühen Vormittag folgt bereits der erste Downhill – es gibt Schlimmeres! Steil und in einigen Serpentinen führt der komplett asphaltierte Forstweg hinunter.



…macht das Spaß!!
Wir fahren vorbei an der Abzweigung zur Heidelbergerhütte. Hier sind wir ja bereits 2003 vorbeigekommen (ist das wirklich schon wieder so lange her?) und ab jetzt befinden wir uns auf unseren bisher westlichsten Track!

An einer Alm vorbei geht es weiter und wir können schon die ersten Blicke ins Montafon genießen.


Nach der Forstwegabfahrt münden wir in die Bundesstraße und folgen dieser entlang hinunter bis St.Gallenkirch (833).

Wir beschließen, gleich weiter nach Gargellen zu fahren. Ersten ist es noch etwas früh für Mittag und zweitens steht das Thermometer bereits auf 34 Grad – kälter wird’s nimmer.

Die Auffahrt auf der verkehrsarmen, aber steilen Straße ist bei dieser ungewohnten Temperatur ganz schön anstrengend! Bis Gargellen (1.411) zieht sich unsere Gruppe weit auseinander. Peter und ich erreichen Gargellen und parken einfach vor dem ersten motiviert aussehendem Gasthaus und bestellen sofort einen großen Radler. Nach und nach trifft jeder im Gasthaus ein und einer gemütlichen Mittagspause steht nichts mehr im Wege.
Fritz und Martin zeigen wieder einmal, was sie so im Frühjahr trainiert haben – meldet sich da schon wieder mein Futterneid? – beneidenswert, was die verdrücken können.

…werds schon no fluachen – wenn’s eire Wampen aufs Joch schleppen miasts!!
Nach der Pause startet eigentlich erst richtig die Transalp und wir verlassen befestigtes Gelände. Es geht zuerst teilweise recht steil aber noch fahrbar bis zur Valzifenzalpe (1.870)


…was will den der da??


…die Senke in der Mitte ist das Joch – Alternativweg links in der Mitte Richtung Joch
Ab der Alm wird’s dann ungemütlich. Wir wählen nicht den beschilderten Steig, sondern fahren auf dem weiter taleinwärts erkennbaren Weg.
Aber auch dieser ist sehr verblockt und das Schieben ist mühsamer als das Tragen. Na, dann üben wir halt diese Position - in den Bergamasker Alpen wartet ja auch noch einiges auf uns!




…Blick zurück
Dieses Joch ist ja eigentlich ein Transalp Klassiker, aber seltsamerweise habe ich nirgends gelesen, dass dieser Steig so mühsam ist. Sogar in umgekehrter Richtung wird dieses Joch beschrieben – das stelle ich mir aber noch mühsamer vor. Irgendwann haben wir das Schlappiner Joch (2.203) erreicht und unsere Plackerei wird mit ersten „Nice Views“ in die Schweiz belohnt.

…Richtung Schlappin mit dem See

…Blick zurück – dieses kleine Schneefeld war auch kein Problem


Nach dem alle eingetrudelt sind, machen wir das übliche Beweisfoto. Ich bin schon auf die Befahrbarkeit des Steiges abwärts gespannt. Glücklicherweise stimmen dazu die Berichte aus dem Internet. Im obersten Teil sehr schwer (schätze S3 - http://www.singletrail-skala.de/) und durch viele Bäche recht nass, wird der Steig später immer lässiger zu fahren (schätze S2). Der „Flow“ wird nur durch die hohen Holzbrett Stufen, die für die Ableitung des Wassers eingelassen sind, etwas gebremst. Je näher man nach Schlappin (1.658) kommt, desto flotter wird das ganze und ein breites Grinsen ist bei Fritz und mir zu erkennen. Peter und „Hardtail“-Martin sehen das ganze etwas ernster, kommen aber auch durchaus zufrieden unten an.

…OK, das können wir nicht fahren





aber, das war cool!!!
Ich kann dieses Joch durchaus als Überquerung in die Schweiz empfehlen, der Trageaufwand wird durch die Optik und den schönen Trail durchaus aufgewogen.

Nach diesem Fahrspaß beschließen wir gleich, hinunter nach Klosters zu fahren, um eine Unterkunft zu suchen. Welch Überraschung, diese Abfahrt ist ja auch noch „very nice“ – Wir folgen der sehr steilen Strasse hinunter und netterweise kann man die Kehren über den schönen Fußweg abkürzen. Na, da nehmen wir natürlich die Abkürzungen.


Jetzt wird eine meiner genialsten Transalp-Ideen umgesetzt. Im Vorfeld habe ich für jeden Tag einen anderen „Reiseleiter“ bestimmt. Die Aufgabe? Der Reiseleiter kann im Vorfeld an seinem Tag alles checken (Streckenbeschaffenheit, Einkehrmöglichkeiten, Unterkünfte), muss dies aber natürlich nicht. Er ist aber an diesem Tag verantwortlich und alle blöden Fragen („Isches no weit?“ und „Wo kehr ma denn ein?“) werden natürlich an den Reiseleiter weitergeleitet.
„Also Fritz, such ein Hotel – such!“. Wir stehen direkt vorm Sporthotel Kurhaus +41814224441, aber Fritz ist nervös und checkt seine Waypoints auf dem Navi – Na, Ja - den ersten Tag Reiseleiter - ist nicht so einfach. Ein sanfter Stubs und er traut sich doch ins Hotel und fragt nach einer Unterkunft. Seltsamerweise wird er vom Wirt nicht gebissen und bekommt sogar Unterkunft und Essen zugesagt. Wir nehmen also Platz und ordern gleich einige Biere.

…ohne Worte
Nachdem der Durst halbwegs gelöscht ist, machen wir uns abendfein und füllen bei dem sehr guten Abendessen unseren Kalorienhaushalt nach.
Seltsame Bräuche in der Schweiz, Teil1:
Wir sitzen bei der ersten Hälfte des Abendspieles der WM, woraufhin uns die Kellnerin entsetzt fragt, ob wir denn das ganze Spiel sehen wollen (Ende ca. 22:30). Sie hat nämlich schon einen 10 Stunden Tag hinter sich und länger arbeitet sie nicht mehr. Wir sind zwar etwas verdutzt, bestätigen aber, dass wir das ganze Spiel sehen wollen. Jetzt wird’s skurril, die Kellnerin macht einfach um 21:30 eine „Last Order“ und geht dann nach Hause! Uns alleine in der Bar lassen!? Nein, nein - ein Reiseleiter einer zufällig anwesenden Pensionistentruppe wird uns als Bewacher abgestellt. Diesen dürfte die Bedienung kennen und ihm vertrauen – er versichert uns, dass er uns sogar noch was zu trinken organisieren könnte. Frühe Sperrstunde hatten wir ja schon öfter, aber im Hotel um 21:30?
Fritz geht heute überraschenderweise als erster schlafen. Naja – Am Vortag der Transalp bis 3:00 früh feiern und nach zwei Stunden Schlaf Transfer nach Galtür, ein paar Kilometer und Höhenmeter mit dem Bike und dann noch Reiseleitung – irgendwann wird sogar unser Fritz müde! Gibt natürlich Abzüge in der „B“ Note für „Austria’s next TOP Reiseleiter“