Chate pri Zelenom plese (Grünsee)
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Der Tag beginnt um 4:30 Uhr. Nicht für mich – sondern für Werner. Während ich noch friedlich schlummere, beginnt er bereits im Zimmer herumzuwursteln. Schließlich steht heute seine Bike-&-Hike-Tour auf den Baranie Rohy (2.526 m) auf dem Programm. Punkt 5 Uhr verschwindet er aus dem Zimmer. Ich verabschiede ihn innerlich und drehe mich mit dem guten Gewissen des Langschläfers noch einmal um.
Beim Frühstück zeigt sich sofort, wer hier Prioritäten setzt: Martin begnügt sich mit zwei Espressi, ich hingegen bevorzuge die ausgedehnte Variante. Schließlich weiß niemand, wann die nächste Gelegenheit zum Essen kommt – und Kalorien zählen in den Bergen bekanntlich nicht.
Gut gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Grünsee. Die Straße glänzt noch vom nächtlichen Regen, doch nach 24 Kilometern erreichen wir den Parkplatz. Trotz eher bescheidener Wetterprognose herrscht dort Hochbetrieb. Natürlich dürfen auch die obligatorischen Parkplatzwächter nicht fehlen. Drei Mann stehen geschniegelt bereit, als würden sie Flugzeuge einweisen. Irgendjemand muss schließlich Ordnung in das Parkplatzchaos bringen.
Anfangs rollt es sich auf dem Wanderweg noch recht gemütlich. Das Problem sind weniger die Steine als die Wanderer. Ganze Karawanen ziehen bergauf. Also wird ununterbrochen geklingelt und freundlich „Hallo!“ gerufen. Die Reaktion ist erstaunlich konstant: Alle gehen noch ein Stück weiter genau in der Mitte des Weges. Offenbar gilt auf Wanderwegen das ungeschriebene Gesetz: Ausweichen ist etwas für Anfänger.
Nach dem ersten Drittel endet der gemütliche Teil. Aus dem Weg wird ein Steig, aus dem Radfahren wird Schwerstarbeit. Mit dem E-Bike geht es gerade noch, Martin aktiviert den Schiebemodus.
Etwa auf halber Strecke beginnt es zu nieseln. Die Slowaken marschieren unbeirrt weiter. Regen? Welcher Regen? Vermutlich gilt dort erst Hagel in Tennisballgröße als schlechtes Wetter.
Am Grünsee angekommen regnet es inzwischen ordentlich. Also ab in die Hütte. Dummerweise haben ungefähr alle anderen dieselbe Idee. Drinnen herrscht Sardinenbüchsen-Atmosphäre. Sitzplatz? Fehlanzeige. Also parke ich mich am warmen Ofen und warte geduldig auf Martin. Plötzlich geschieht das Unfassbare: Ein paar Gäste stehen auf. Innerhalb von Sekunden mutiere ich zum 100-Meter-Sprinter und sichere uns zwei Plätze. Olympiareif.
Martin kommt nach und übernimmt die lebenswichtige Getränkeversorgung. Die Preisliste sorgt allerdings für Stirnrunzeln: Ein halber Liter Tee mit Rum kostet 6 Euro, ein Bier nur 3 Euro. Die Botschaft der Hütte ist eindeutig: Wer sparen will, trinkt Bier.
Während draußen der Regen unermüdlich weitermacht, füllt sich die Hütte bis auf den letzten Zentimeter. Selbst der Treppenabgang zum WC wird zur begehrten Sitzgelegenheit. Zahlreiche Kletterer warten geduldig auf besseres Wetter. Ein Blick aufs Satellitenbild macht allerdings wenig Hoffnung – ein Tiefdruckgebiet hat sich offenbar häuslich eingerichtet.
Also beschließen wir, das Wetter einfach schön zu trinken. Und siehe da: Nach zwei Stunden wirkt unsere Strategie. Zugegeben, das Tief zieht nicht ab, aber immerhin hört der Regen auf.
Die Abfahrt erfolgt mit der nötigen Portion Respekt. Nasse Steine können schließlich heimtückischer sein als jede Steigung. Überraschenderweise läuft alles problemlos, und wir erreichen wohlbehalten den Radweg zurück zum Hotel.
Dort wartet bereits Werner, der seine Gipfeltour erfolgreich absolviert hat. Er begrüßt uns mit einem kühlen Bier. Ein perfekter Abschluss eines Tages, der wieder einmal bewiesen hat: Für eine gelungene Bergtour braucht man nicht unbedingt Sonnenschein. Ein bisschen Humor, etwas Geduld und das richtige Getränk zur richtigen Zeit reichen völlig aus.

Wasser gibt es genug...

ein trockener Moment

Grünsee

die rettende Hütte

Bierlager...

its raining again

im "Bachbett" hinunter

schneidiger Martin
Die Belohnung!