5.Tag - ca 2.200 Hm, 64 km ”3 kleine Negerlein”
St.Jakob - Reichenbergerhütte - Daberlenke - Pebellalm - Matrei - Matreier Tauernhaus


...ein Bild spricht mehr als tausend Worte!
Ja, was soll denn das? Wir wachen auf und es regnet? Haben wir das Wetter gestern nicht mehr als schön getrunken?
Eigentlich sollten wir heute sehr früh los. Eine weitere anstrengende Etappe wartet auf uns. Scheint eine ”Impossible Mission” zu werden.
Um 7:30 klopfe ich vorsichtig bei den zwei Prinzen an. Die liegen aber gar nicht prinzenhaft im Bett - eher schauen sie aus wie tote Fliegen ;-)
Egal, das Frühstück ist ausgezeichnet und auch Fritz und Martin wackeln bald aus dem Zimmer herunter. Der Regen hört sogar auf und es gibt nichts mehr zu verlieren.
Fritz ist offensichtlich zu ”marode” um seinen Kniestatus zu beurteilen - Also, auf geh’s!

Fritz und Peter haben den Weg zur Reichenbergerhütte heuer schon erkundet und deswegen ist das folgende nicht weiter überraschend. Die ersten Meter des Weges sind extrem steil angelegt und das ist in der Früh überhaupt nicht angenehm.
Später geht es etwas gemäßigter bis kurz vor den Trojeralmen. Danach wir es wieder steiler - aber nicht mehr so extrem.

...Blick zurück ins Defreggen

Nach ca. 1000 Höhenmetern (ein Stück nach der Durfeldalm) geht der Forstweg in einen Steig über. Der Rudolf Kauschka Weg zur Hütte ist sehr schön angelegt und die Schiebearbeit hält sich in Grenzen. Das meiste können wir sogar fahren. Allerdings zieht sich dieser Steig ganz schön in die Länge.

...Man könnte - manche nützen das Bike auch einfach als Stütze!

Kurz unter der Reichenbergerhütte wird es steiler und auf den letzten 100 Höhenmetern ist Schieben angesagt.

..der Bödensee neben der Reichenberger Hütte. Geradeaus ginge es direkter über die Bachlenke zur Pebellalm.

...Reichenberger Hütte

Fritz und Peter haben heuer die direkte Variante über die Bachlenke bereits getestet. Heute ist die Daberlenke angesagt - soll ja ein Gustostückerl sein.

Bis zur Daberlenke geht der Steig in ähnlicher Manier weiter. Schön angelegt, können wir relativ viel fahren. Da es aber noch immer leicht aufwärts geht, sind auch einige kurze Schiebestellen dabei. Und immer wenn man eine Kuppe als Daberlenke interpretiert, versteckt sich dahinter noch eine Kuppe!

...endlich die Daberlenke!

Es folgt die Abfahrt. Wie bereits Aufwärts, zieht sich auch die Abfahrt schier endlos.

Definitiv ein Gustostückerl. Wieder ist der Steig sehr schön angelegt (S1/S2 Niveau) und wir können das Meiste fahren. Allerdings queren ständig Bäche den Hang und an diesen Stellen ist meistens Absteigen angesagt.

...ständig

...in dieser

...Tonart

Echt lässig - aber es zieht sich!

Eigentlich habe ich bei dieser “Notunterkunft” schon genug vom Trailspaß. Dieser verwerfliche Gedanke wird sofort mit einer anstrengenden Tragepassage, steil bergauf, bestraft!

Das wäre jetzt echt nicht mehr notwendig - ich habe ja schon mehr als ein Hüngerchen! Zusätzlich werden die Wolken auch immer Dunkler - also Hopp, Hopp!

Es nützt alles nichts - das Tal ist noch lang! Endlich komme ich bei der kleinen Brücke über die junge Isel an und trage das Bike auf der anderen Seite hinauf zum “Steig” zur Clarahütte. Die Zivilisation hat uns wieder! Bis hierher haben wir gezählte 9 Wanderer gesehen. Jetzt zähle ich in einer Minute mindestens die selbe Zahl. Trotz des schlechten Wetters sind die Touris auf diesem Trampelpfad unterwegs. Daher warte ich auf Peter und Fritz, damit wir beim Wandererverscheuchen in der Überzahl sind.

Der Trampelpfad ist dafür entsprechend einfach zu fahren. Danach münden wir in den Forstweg. Das Tröpfeln wird immer lästiger und der Weg scheint bis zur Pebellalm kein Ende zu finden.

Endlich da! Es ist bereits 14:00 und wir haben definitiv nicht getrödelt! Hunger - Durscht!
Ein Grillteller serviert in einem “Gratele” hilft uns aus dieser Misere und danach sieht die Welt schon viel besser aus - obwohl es draußen noch trüb ist.

Der Einkehrschwung wird auf das Minimum begrenzt und wir düsen weiter. Durch das Virgental geht es, glücklicherweise ohne Nieseln, hinaus nach Matrei. Der Gegenwind müsste echt nicht sein!
In Matrei ist es dann so weit! Der Schweinehund von Fritz gewinnt die Überhand und auch alle Überredungsversuche sind zwecklos. Fritz kann nicht mehr! Nach feierlicher Kassenübergabe verabschiedet er sich nach Lienz.
4 kleine tirolerlein die zogen aus um radzufahren,
der eine fuhr zu spät ins tal ab da war das kreizband ab,
3 kleine tirolerlein die zogen aus um radzufahren,
der eine schob zu viel das rad da war das knie im arsch,
2 kleine tirolerlein die zogen aus um radzufahren,
den zwei war der regen zu nass da fuhren sie nach haus!
Jetzt dichtet der Fritz auch noch - Ich denke das wird aber sicher kein zweites Standbein ;-)

Langsam zerbröckelt unsere Mannschaft. Wir sind aber schon so weit gekommen und ich bin noch hoch motiviert! Ich denke Peter auch - Oder?

Als erstes rufen wir beim Matreier Tauernhaus an und “Ja” es ist noch ein Zimmer frei. Wir haben keine Ausrede mehr und starten zum Felbertauern.
Für Wanderer ist der Weg mit fünf! Stunden angeschrieben - Na, Prost Mahlzeit.

Von Internetrecherchen weiß ich, dass die Gemeinde Matrei den ”Radweg” zum Felbertauern ausbauen will. In weiterer Folge soll dann auch der Weg über den Felbertauern bis Mittersill fahrbar gemacht werden.
Soweit zur Theorie! Das erste Stück bis zur Kapelle am Prosegg ist asphaltiert und verdient auch die Bezeichnung “Radweg”.
Zufällig ist bei der Kapelle eine alte Frau die uns den richtigen Weg weist. Wir wären sicher nicht auf Anhieb in den schmalen Steig abgezweigt. Das verdächtigste für mich ist allerdings die Aussage: “Na, Na - a guata Weg - kennts als foarn”
Ein untrügliches Indiz für schwierigste Verhältnisse!

Nach der Kapelle geht es zwar leicht bergab (bekanntlich müssen wir ja noch hinauf), der Weg ist aber noch fahrbar. Danach folgen wir einen Weg der gerade hergerichtet wir und daher etwas tief und schwieriger zu fahren ist.

Nach der Pumpstation Gruben wechseln wir kurz auf die Felbertauernstraße und dann geht es über Gruben weiter. Immer wieder auch leicht bergab - aber noch alles fahrbar.

Spannend wird es dann Höhe Kalser Alm. Der Weg endet in einen Sumpfgebiet mit schmaler Brücke. Wir haben mehr als Glück! Zufällig ist hier ein Spaziergänger (die letzte Stunde war kein Mensch anzutreffen) unterwegs und wir können den “Frauennavigationsmodus” anwenden.
Er versichert uns, dass die Schiebestelle sich in Grenzen hält und wir bald auf der alten Felbertauernstraße münden. So ist es dann auch!

Nach einem kurzen Abstecher auf die Felbertauernstraße, zweigen wir zum Matreier Tauernhaus ab und treffen um Punkt 18:00 ein.
Ein dreifaches Hurrrraaaaa!
Zimmer - Super! Dusche - Super! Bier - Super! Service - Super! Essen - Super!
Aber wie war das? In diesem Aggregatszustand darf man keine Bewertungen vornehmen? Nein! Das Matreier Tauernhaus ist wirklich Top.
Alt werden wir Heute allerdings nicht mehr. Der lange Tag fordert seinen Tribut und der abendliche Tanz wird heute ausgelassen ;-)
Trackstatus: Hätte ich bei der Planung nicht gedacht. Wir sind am Ziel - Halt nur die “Alten”