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5.Tag - ca. 1.650 Hm, 47 km – „Donnergrollen“

Passo Dordona - Passo della Crocce – Carona – Passo Portula - Valbondione

Das Frühstück ist „halbtypisch“ italienisch, zumindest Brot, Butter und Aufstrich gibt es genug. Empfehlen können wir diese Hütte auf alle Fälle!

Fritz bekommt von mir sogar eine Morgengabe – das sind Brüder

Einstweilen naschen die Fliegen an der Unterhose von Fritz

auf geht’s

Wir starten von der Hütte über den etwas verblockten aber problemlos zu fahrenden Weg zum Passo Dordona (2.100).

Blick zurück zum Rifugio

und hinauf zum Passo

früh morgens am Pass

Dieser ist bald erreicht und danach geht es über den sehr grob schottrigen steilen Weg weiter bis zur angeschriebenen Abzweigung auf ca. (1.835). Von hier sieht man hinunter auf den recht großen Skiort Foppolo. Den hätte ich als Variante vorgesehen, falls das Rifugio Dordona geschlossen gewesen wäre.

auf der Rüttelpiste – im Hintergrund Foppolo

auf der Querung – aber geschoben haben wir schon auch

Der Steig hinüber zum Passo della Crocce (2.010) ist zwar auch verblockt, aber teilweise fahrbar. Da ich gar nicht glauben kann, dass wir es bereits geschafft haben, fahre ich am Passo sogar noch ein Stück weiter hinauf.

in der Bildmitte, in der Senke ist bereits der Passo della Crocce

mit was wurde diese Schipiste gedüngt?

Obwohl es heute etwas diesiger als gewohnt ist (Ja, Ja ich werde anspruchsvoll), sind die Aussichten durchaus schön und mir gefallen die Bergamasker Alpen gar nicht so schlecht! Das Skigebiet tut optisch natürlich weh, denkt man jedoch an den Winter, dann sehen sie verlockend aus. Hatte gar nicht erwartet, dass hier so steile Pisten zu finden sind.

am Passo della Crocce

Über den steilen Forstweg, der über die Piste hinunter führt, fahren wir zum verfallenen Rifugio Giretta (1.775) und weiter bei der Alm vorbei und dann etwas aufwärts zur Bergstation des alten Sesselliftes, der von Carona heraufführt.

Glücklicherweise ist der Stier an der Alm angebunden, der schaut sich schon verdächtig nach unseren roten Trikots um.

den Stier haben wir uns natürlich nicht getraut zu fotografieren

Der folgende Forstweg hinunter nach Carona (1.124) ist der Wahnsinn. Habe ich gestern über die steile Auffahrt zum Rifugio geschimpft? Hier stelle ich gerade fest, dass es in den Bergamasker Alpen anscheinend ein anderes Winkelmaß für Wege gibt. Unglaublich steil führt der Weg hinunter und stellenweise zweifeln wir sogar, ob der Weg aufwärts mit einen Allradauto zu schaffen ist. Hier kommt sogar ein Autofahrer ins Schwitzen, da sind wir uns einig. Für Biker ist es mit Sicherheit eine reine Schiebestrecke. Abwärts macht der Weg natürlich Riesenspaß und wir halten immer wieder einmal am und blicken staunend zurück (sicherlich S1 )

sieht man auf den Fotos leider nicht, wie steil der ist

Carona

Wir landen oberhalb von Carona (1.124) und stellen unsere Adjustierung auf Bergfahrt um. Die Steilheit des folgenden Weges überrascht jetzt ja nicht mehr. Der erste Gang-Modus wird angewendet und über die meist betonierte Piste geht es mühsam aufwärts. Optisch ist das restaurierte Bergdorf Pagliari kurz nach Carona mit motiviert aussehenden Ristorante zu erwähnen. Gleich danach gibt es einen schönen Wasserfall, an dem wir direkt vorbei fahren.

Pagliari

was wollen diese Schilder uns sagen?

hübsch – der Wasserfall, nicht ich!

Der Weg führt dann flach weiter rund um den kleinen Lago del Prato und ich kann kurz entspannen.

Danach geht es allerdings wieder in bergamesischen (oder bergamaskischen?) Prozenten weiter zur Staumauer des Stausees Lago di Fregabolgia.

auch hier sieht man die Steigung überhaupt nicht

…die Staumauer

Wasserstrahl, unterhalb der Staumauer

Kurz vor der alten, verfallenen Rifugio Calvi sollte man sich an der Weggabelung links halten - das wäre die fahrbare Variante. Wir fahren aber rechts und müssen an der Staumauer kurz den Schiebemodus anwenden. Dafür stehen wir „verbotener“ Weise direkt auf der Staumauer und genießen die Blicke.

Von dieser sehen wir auch schon hinüber zum Rifugio Calvi (2.000) und der Hunger und der Durst treiben uns weiter zur Hütte.

Rifugio Calvi

Wir gönnen uns eine ausgedehnte Mittagspause und die Bedienung überrascht uns mit ihren Fremdsprachentalenten. Da unsere italienischen Sprachkenntnisse für die Bestellung von Essen bisher immer ausreichend waren, bestellen wir auch diesmal in der Landessprache und werden (trotzdem? ) ausgezeichnet bewirtet.

Nach der Rast geht es trotz der sich auftürmenden Wolken Richtung Passo Portula. Wir haben ja heuer schließlich Traumtransalpwetter. Zuerst stellt der Steig kein Problem dar und wir können teilweise sogar fahren. Bei einer leicht abwärts führenden Passage rollt das Rad natürlich besonders gut und ich übersehe den Hinweis „Passo Portula“, der auf einen Stein geschrieben ist (allerdings gegen die Fahrtrichtung). Da der Steig bei der Abzweigung außerdem kaum zu erkennen ist, komme ich überhaupt erst nach einer Bachquerung auf die Idee, das Navi zu kontrollieren. Aber so was von falsch! Also wieder zurück. 50 Sonderhöhenmeter bei nahenden Gewitter – na, da habe ich mich schon schlauer verkoffert. Schlimmer wär’s ohne GPS, da hätte ich den  Irrtum wohl erst sehr viel später bemerkt. Also zurück und in dieser Richtung sieht man die Markierung natürlich viel besser.

…dabei hätten wir da gar nicht drüber müssen

ja wo issa denn der Pass? – Verkoffert!

Aber der richtige Weg ist auch nicht besser

Allerdings wird dieser Pass jetzt zur Herausforderung. Überraschenderweise liegt hier der Schnee bereits ab ca. 2.200. Mit Schnee hätte ich auf dieser Höhe keinesfalls mehr gerechnet. Außerdem sind die letzten 100 Höhenmeter zum Pass sehr steil und da der Schnee am Steig am höchsten liegt und man bereits einbricht, müssen wir dieses Schneefeld weit umgehen. Jetzt fängt es auch noch an zu tröpfeln! Da es aber noch extrem warm ist, stören die paar Tropfen überhaupt nicht. Rundherum hören wir Donnergrollen und der Pass ist gespenstisch im Nebel gehüllt. Aber umkehren ist jetzt auch keine Option mehr!

Gut das wir geübt haben!

unter dem weisen Zeug liegt der Steig!

Blick zurück zum Stausee – ist schon ein Stückchen


Endlich erreichen wir den Passo Portula (2.289) und ich treibe die Jungs an. Etwas Nervosität bricht jetzt doch bei mir aus, die nächste Einkehrmöglichkeit gibt es 1000 Höhenmeter tiefer und dazwischen liegt ein recht unbeschriebener Trail. 

         

Ungemütlich!!

Etwas überhastet starte ich daher los.

ist da jemand in Eile!?

Der erste Teil des Trails ist sehr schwierig, wird bald aber immer fahrbarer und meine Nervosität weicht einem Lächeln. Zuerst geht es weit Richtung Nordost auf einem schräg erodierten Steig entlang. Dann geht es nach Süden auf einem immer schöner befahrbarem Steig zurück. Die Fahrt wird gebremst durch einige aufwärts führende bzw. schwierige Stellen. Desto weiter wir hinunter kommen, desto stabiler sieht das Wetter wieder aus und ich bremse meine Geschwindigkeit etwas ein und warte doch auf die Jungs. 

hier läuft’s schon richtig, nur verblockte Stellen und Gegenanstiege sind etwas lästig

Almhütte ja, aber keiner zu Hause

dieses Gewitter erwischt uns nicht mehr

im unteren Teil wird’s immer einfacher

schon wieder wärmer

Nebelstimmung

Irgendwo hier war die Abzweigung – aber bei dem Trail kann man schon was übersehen 

Immer flüssiger kann man den Steig fahren und der Spaßfaktor nimmt immer mehr zu. Wahrscheinlich aus diesem Grund übersehe ich die Abzweigung bei ca. 1650 m zur Rifugio Ceto. Den Irrtum bemerke ich bald. 50 Höhenmeter zurückschieben? Ach, da brettern wir doch lieber weiter Richtung Bettuno. Ein Blick auf die Karte versichert uns, dass wir auch diesem Weg folgen können. 

Ein Enduro Fahrer kommt uns entgegen und wundert sich wohl, wie wir hier herauf gekommen sind – na, wenn der wüsste 

Der Steig mündet bald in einen sehr steilen Karrenweg. Dieser ist zum Großteil mit Steinen ausgelegt und da es hier anscheinend geregnet hat, sind diese recht rutschig.

auf den steilen gepflasterten Weg

Martin wird hier mit seinen Felgenbremsen etwas nervös. Wir haben Erbarmen mit ihm und folgen der parallel in Serpentinen hinunterführenden Asphaltstrasse nach Bettuno (686). Knapp 1600 Höhenmeter und nur ein paar Regentropfen bei dem Donnergrollen? Wetterglück muss man erst recht bei nahendem Gewittern haben!

Bettuno

Ein paar Kilometer gehen sich heute noch locker aus und wir fahren auf der verkehrsarmen Strasse über Bondo (725) nach Valbondione (938).

Valbondione ist ja groß und die Unterkunftssuche daher sicher kein Problem. Ha – da gibt es genau nichts! Mit etwas Mühe finden wir eine Möglichkeit beim Campingplatz. Das Gasthaus strahlt den Charme einer Jugendherberge aus, wirkt aber sehr bemüht. Also checken wir ein und bekommen zwei saubere Zimmer mit Bad zugewiesen. In einem der drei Stockbetten werde ich heute Abend schon landen.

Das Bier kostet nur drei Euro und das gönnen wir uns dann natürlich ausgiebig auf der Terrasse. Jetzt holt uns das Gewitter doch noch ein – OK, akzeptiert.

Wir verrollen uns zum Beautycheck und bekommen als Belohnung ein gutes Abendessen. Fritz schwächelt heute etwas – ist es, weil er heute Reiseleiter ist? Wir wissen es nicht. Ein paar Liter nach Fritz gehen aber auch wir schlafen und ein gewaltiger Tag findet sein Ende.