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Transalp 2006 Cortina - Gardasee

Transalp 2006 – Prolog


Die Tourenplanung für 2006 war sehr aufwendig. Da ich aus mehreren Berichten (Grazie) in Erfahrung bringen konnte, dass Teile der Tour ein Versorgungsproblem mit Unterkünften, Verpflegung und Wasser darstellen, habe ich größtes Augenmerk auf eine gute Einteilung der Transalp gelegt. Die Eckdaten habe ich aus dem Buch Traumtouren Transalp (Route über Cortina – Alleghe – San Martino - Canal San Bovo – Hochebene der Sieben Gemeinden – Pasubio – Gardasee) bezogen. Die Tour verläuft an der ehemaligen Front des ersten Weltkrieges an der Grenze zwischen dem Trentino und Veneto und teilweise auf dem Friedensweg (Sentiero della Pace) entlang.

     

Leichte Abänderungen des klassischen Streckenverlaufs bzw. Zugabe des Passo Buole und Altissimo rundeten die Planung ab.

 

Übersicht


GPX-Track

1.Tag  Cortina d’Ampezzo – Falcade
 

 

‚Die 104,40 waren natürlich eine Fehlfunktion – oder? ;-)’

Da die Jungs den Tourenplan wieder einmal nicht genau gelesen haben, fällt ihnen gar nicht weiter auf, dass wir in Lienz bereits um 6:00 früh mit dem Auto nach Cortina starten (Danke Annemarie). So können wir bereits um 7:30 in der Nähe des Campingplatzes Cortina (1.120) zur heurigen Transalp starten.
Der Weg eignet sich nicht zum Einradeln - in teilweise irrwitziger Steigung geht es bis zur Malga Federa (1.816). Inzwischen ist der Weg zum Glück teilweise asphaltiert, sonst müssten wir auf diesem groben Schotter wohl mehrere Schiebepassagen einlegen. Da die Temperatur noch angenehm ist, schaffen wir den Weg bis zur Alm recht passabel. Ab hier ist dann aber Schluss mit Lustig. Erst wundern wir uns noch über die zwei Kettenfahrzeuge, die bei der Alm stehen. Kurz darauf wird aber klar, dass hier ein ‚normales’ Geländefahrzeug nicht unbedingt von Nutzen ist. Der Weg bis zum Rifugio Croda da Lago (2.046) ist so steil und mit groben Schotter versehen, dass wir maximal meterweise fahren können.
Kurz vor dem schön an einen kleinen See gelegenen Rifugio (natürlich sofort die Frage: ‚ist das schon der Gardasee?’) öffnet sich das Tal und man hat einen fantastischen Ausblick. Zu meiner Überraschung ist der breite Steig bis zum Forcella Ambrizzola (2.277) großteils fahrbar. Das grandiose Panorama ist das Highlight des Tages. Hier wünsche ich jedem Transalper Wetterglück, denn dieser Ausblick zählt sicher zu einem der genialsten, die ich kenne. Am Forcella angekommen, wird sofort der Fotoapparat für eine Panoramaaufnahme genützt. Der Steig Richtung Rifugio Citta di Fiume (1.918) führt zunächst noch weiter bergauf und kann auch teilweise gefahren werden. Nach einiger Zeit geht es bergab – allerdings muß man anfangs noch sehr viel schieben, weil die Strecke sehr schwierig ist.  Nach einer verfallenen Alm wird der Weg aber immer fahrbarer.
Jetzt lohnt sich auch unsere frühe Abfahrt – erst kurz vor dem Rifugio kommen uns die Wanderer entgegen. Diese Etappe sollte man unbedingt unter der Woche oder sehr früh planen. Bei diesen Panoramen ist es auch kein Wunder, dass Völkerwanderungen unterwegs sind.

Am Rifugio gelangt man auf einen breiten Schotterweg, auf dem wir bis zur Asphaltstrasse (1.663) hinunterfahren. Diese führt dann in gemütlicher Steigung bergauf bis zum Passo Staulanza (1.766). Für eine Einkehr ist es noch zu früh und wir fahren hinunter bis zur ersten Kehre (1.700). Hier führt rechts ein Schotterweg erst bergab, dann bergauf zur Cra Vescova (1.734). Die Wegerbauer haben ab hier wohl den Winkelmesser falsch angesetzt, denn in mörderischer Steigung geht es bis zum Rifugio Col dei Baldi (1.922) hinauf. Teilweise müssen wir sogar schieben. Auf der Terrasse des Rifugios genehmigen wir uns das wohlverdiente Bier und beschließen, mittags in Alleghe einzukehren. Von hier oben gibt es mehrere Möglichkeiten nach Alleghe (983) zu kommen (Forstweg, Trail oder Lift ;-) ). Wir wählen den gut fahrbaren, aber sehr steilen und teilweise groben Forstweg bis zur Mittelstation der Seilbahn. Ab hier geht’s dann über Asphalt (auch teilweise sehr steil) bis zur verdienten Rast in die Pizzeria Rudatis in Alleghe. Da wir den Großteil der heutigen Etappe bereits hinter uns haben, gehen wir die Mittagspause seeeeeehr gemütlich an.


Nach ausgezeichneter und ausgiebiger Rast (Dank an Mama fürs Sponsoring) rollen wir der Strasse erst entlang des Sees und dann hinunter bis nach Cencenighe (770). Hier geht es rechts auf der Strasse Richtung Falcade (1.150). Kurz vor dem Tunnel biegen wir links auf den Radweg ab. Dieser ist sehr gut beschildert und ist daher nicht zu verfehlen. Bei Teilstücken wurde allerdings der Winkelmesser wieder einmal vergessen und es geht ganz schön zur Sache. Die zwei Kinder einer Familie, an der wir vorbei fahren, sehen wohl deshalb so grimmig aus. Falcade ist ein großer Skiort mit mehreren Hotels und zieht sich ziemlich in die Länge. Zum Glück habe ich den Standort der Unterkunft (Prospekt im Internet) recht genau im Kopf und finde auf Anhieb unser Hotel. (Il Dollaro 0437507290 - http://www.hotelildollaro.it).

Ein unglaublicher Glücksgriff. Das Hotel mit angeschlossener Birreria lässt keine Wünsche offen. Die verschiedenen Sorten Bier sind für italienische Verhältnisse unglaublich günstig zu haben. Diesen Umstand nützen wir natürlich sofort aus und genießen einige nachmittägliche Biere auf der Terrasse. Es beginnt leicht zu regnen – bei diesem Unterstand ist uns das aber herzlich egal!
Am Abend bekocht uns dann die Chefin auch noch ausgezeichnet und lässt ebenso keine Wünsche offen. Martin und Fritz müssen nach dem üppigen Mahl natürlich nochmals die Preise in der Birreria überprüfen. So ein Glück - die Preise halten. Wir sind uns alle einig – Höchstbewertung für dieses Hotel.

 

2.Tag Falcade - Val Lozen

 

 

Zu meiner Überraschung sind Fritz und Martin schon früh munter. Der Trick der heurigen Transalp – sie haben einen Wecker - oder sind sie doch schon in der Phase der senilen Bettflucht angelangt!? . In diesem Hotel ist das Frühstück natürlich ebenso ausgezeichnet. Der Preis für diese Unterkunft liegt sogar am unteren Ende unserer langjährigen Transalp Erfahrungen!
So, nun habe ich aber genug Werbung gemacht. Gestärkt geht es von Falcade (1.150) los Richtung Passo di Valles. Zuerst versuche ich noch, den Forstweg zum Albergo Dolomiti zu finden, befinde diesen dann aber zu steil und ausgesetzt. Erst später erkenne ich, dass ich den falschen, zu weit rechten Weg ausprobiert habe. Wir fahren daher die Asphaltstrasse zuerst Richtung Passo San Pellengrino und dann links Richtung Passo di Valles (2.030) hinauf.
Da wir sehr früh am Weg sind, haben wir noch keine Probleme mit dem Verkehr. Die Straße zieht auch in wunderbar angenehmerer Steigung, aber etwas langweilig (wenige Aussichten da im Wald) hinauf bis zum Passo. Erst auf den letzten Kilometern lässt der jetzt lichtere Wald einige Blicke zu. Vom Passo Valles habe ich einen Abstecher zum Rifugio Laresei (2.250) eingebaut. Trotz des bewölkten Wetters nehmen wir diese 200 Höhenmeter extra mit ins Programm. Der Schotterweg hinauf ist sehr gut fahrbar und bei guter Sicht ein Muss. Leider sind die Verhältnisse heute nicht mehr so toll und so können wir das Panorama nicht voll genießen. Kurz vor dem Rifugio würde links ein Abstecher zum Col Margherita (2.500) abzweigen. Auch dieser Weg sieht gut fahrbar aus. Da die Bewölkung drüben im Val Venegia aber schon stärker wird, testen wir diesen Weg nicht und fahren zurück zum Passo Valles.

Hier geht es rechts hinunter über die Asphaltstraße bis zum Abzweig ins Val Venegia (1.683). Am Weg treffen wir Transalper der anderen Art. Aufgepackt mit Zelt und sonstigem Krims Krams, ausgerüstet mit Citybikes Marke Bauhaus und dünnen Reifen maximal für einen guten Schotterweg geeignet, kämpfen sich die Jungs durch den Dolomitenschotter. Ich drohe meinen Mitstreitern sofort mit ähnlichen Verhältnissen fürs nächste Jahr, sollten blöde Meldungen über meine Tourenplanung fallen. Es wird zwar irgendetwas von ‚dann fahren wir halt nicht mit’ und ähnliches gemurmelt – seltsamerweise wird meine Planung aber ab jetzt stets gelobt. ;-)

Die Kulisse im Val Venegia ist genial und bis zum Passo Costazza (2.170) türmen sich die Felsformationen der Cimon della Pala, Cima della Vezzana, Cima die Bureloni und der Cima del Focobon (alles 3.000’er) beeindruckend auf. Es ist wiederum kein Wunder, dass jede Menge Wanderer unterwegs sind. Am heutigen Montag hält sich die Völkerwanderung jedoch in Grenzen. Das Tal erinnert mich irgendwie an das Karwendel. Der Weg hinauf ist durch den groben Schotter wieder mühsam, aber alles in allem gut fahrbar.

Am Passo gibt es zwar ein Rifugio - da das Wetter aber nicht sehr freundlich ist, beeilen wir uns,  hinunter zum Passo Rolle (2.000) zu kommen. Da dieser Weg auch als Taxizubringer dient, ist er sehr gut in Schuss. Vom Passo Rolle geht es über Asphalt und vielen Kehren mit teilweise tollen Ausblicken hinunter bis San Martino di Castrozza (1.460).
Schon in Falcade ist uns aufgefallen, dass Peters Hinterreifen sicherlich bald das Zeitliche segnet. Da die Stollen nicht mehr wirklich halten und auch teilweise die Karkasse durchleuchtet, investiert Peter widerwillig aber doch in einen neuen Reifen. (Der hat doch schon mehrere Transalpen gehalten!!). Fritz bekommt neue Radhandschuhe. Diese hat er doch glatt irgendwo ‚vergessen’ – dieser Gewichtstuningfanatiker. Die lange Radhose, die er auch ‚vergessen’ hat, wird nach seiner Meinung sowieso nicht benötigt. Wir malen uns natürlich sofort aus, wie viel er bei dieser Vergesslichkeit in Riva noch dabei hat –– wir tippen auf nackt und ohne Rad. Also heißt es in San Martino Fehlendes auffüllen – eine der wenigen Gelegenheiten für Shopping.

San Martino ist ein recht großer Skiort und wirkt nicht richtig einladend. Wir finden aber bald eine nette Einkehrmöglichkeit und machen ausgiebig Rast. Trotz des immer schlechter werdenden Wetters starten wir Richtung Camping Sass Major und folgen dann dem gut ausgeschilderten Weg Richtung Forcella di Calaita bzw. Lago di Calaita Sentiero 350/16. Die Orientierung ist selbst mit unserem GPS Gerät nicht einfach. Sehr viele Wege zweigen ab und selbst die Tabacco Karte scheint hier nicht genau zu sein. Ausnahmsweise kann man sich aber auf die guten alten Wegweiser verlassen. Der Weg führt teils bergauf, viel auch bergab bis zum Beginn einer lästigen und steilen Schiebepassage  (ca.20 Minuten) bis zum Forcella di Calaita (1.680). Es wäre einen Versuch wert, über den anscheinend neu angelegten Weg zur Malga Scanaiol zu fahren und dann dem Steig Richtung Forcella zu folgen. Da es jetzt leicht zu nieseln beginnt, beeilen wir uns aber, auf dem etwas holprigen aber fahrbaren Weg zum Rifugio Lago di Calaita (1.621) zu kommen. Eine Rast am See wäre sicherlich nicht verkehrt, wir flüchten aber vor dem drohenden Regen weiter hinunter zu unserer Unterkunft: Ristorante Bar Rifugio Lozen (1.179) +39 0439.719066 http://www.lozen.it/.
Wieder haben sich meine Recherchen gelohnt, die Unterkunft ist ausgezeichnet und der Wirt ist sehr bemüht. Wir stellen unsere Adjustierung wieder her und stoßen danach mit einen Liter auf den heutigen Tag an. Es folgt ein sehr gutes und reichliches Abendessen und nach den obligatorischen 4x4 steht einen gemütlichen Abend nichts mehr im Wege. Die Kellnerin wirft mehrmals verdächtig interessierte Seitenblicke auf Martin - Schweinchenwürfeln ist ihm aber zum Glück wichtiger. Es wäre ja möglich, dass die Seitenblicke gar nicht Martin, sondern der Kasse gelten. Man kann uns arme Buben ja nicht ohne Kasse da stehen lassen! (Grazie Martin)

 

 

3.Tag  Lozen – Marcesina

Das Frühstück ist üppig – ich muss allerdings anmerken, dass die Reservierungen meine Frau erledigt hat. Sie ist des Italienischen mächtig und ich habe keine Ahnung, was sie den Wirten erzählt hat – es hat auf jeden Fall funktioniert (Grazie Christina). Wir können getrost auch diese Unterkunft als Tipp weitergeben. Wir starten vom Rifugio Lozen (1.179) und folgen der Asphaltstraße über Mureri (1.030) bis nach Canal San Bovo (770). Auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten ins Tal zu gelangen – wir wählen die einfache über die Strasse. Die Ausblicke auf dieser Abfahrt sind wieder super.

Von Canal San Bovo geht es hinauf zum Passo Brocon (1.615). Diese Straße ist in sehr angenehmer Steigung angelegt und da wir sehr früh unterwegs sind, werden wir vom Verkehr verschont. Auch optisch bietet dieser Weg einiges und ich empfinde die Auffahrt als sehr kurzweilig. Am Passo angelangt, treffen wir wieder die Citybike-Transalper – sie wollen heute noch den Cinque Crocci fahren – Respekt!!

Wir beschließen, gleich den Trail Richtung Castello Tesino anzugehen. Eine absolute Empfehlung – Zuerst folgt man dem Forstweg gleich hinter dem Albergo. Man sollte die scharfe Abzweigung nach rechts (nach einer Linkskehre mit Bänken bei ca. 1.350) nicht versäumen, sonst landet man im falschen Tal. Ab hier fährt man teils ausgesetzt in der Felswand bis C.Pustero (1.170). Das tollste – diesen Trail kann man wirklich komplett fahren.

 

 

Fritz hat zwar einen extra dicken Spezialschlauch besorgt, trotzdem hat gerade er den ersten Defekt. Dafür heimst er natürlich Spott ein. Trotz Defekt und gemütlicher Fahrt sind wir nach der Abfahrt auf dem Forstweg bis C.Giarighi (966) und der Asphaltstraße viel zu früh in Castello Tesino (860). Nach langem Hin und Her und einen Bierchen beschließen wir, eine Jause zu kaufen (wie unwürdig). Diese verspeisen wir dann gemütlich an einen Rastplatz. Im Prinzip ja nichts Schlimmes – aber wie Martin richtig erkennt – ohne 4x4 stimmt es halt nicht.

Nach der Rast fahren wir erst noch kurz bergauf und dann über die absolut genial angelegte Straße hinunter bis Grigno (250). Die Aussichten und die teilweise unglaublich in den Fels gebaute Straße sind das zweite Highlight der heutigen Etappe.

 

Von Grigno, einem verschlafenen Nest im Val Sugana rollen wir hinüber nach Selva (267). Hier startet der Weg zur Hochebene – dieser wird im Augenblick gerade gesichert und asphaltiert. Die Sicherungsarbeiten sind bereits abgeschlossen und ganz oben treffen wir auf die Arbeiter, die bereits die obersten 3 km asphaltiert haben. Die Arbeiten werden aber sicher noch den ganzen Juli andauern (in Italien dauert’s oft noch länger). Die Auffahrt ist aber kein Problem (keine Sperre oder ähnliches - es kommen uns auch nur zwei LKW’s entgegen). Es ist schade dass diese Strecke für den Verkehr freigegeben wird. Vor allem der Sinn ist mir schleierhaft - da die Fahrbahnbreite größtenteils nur einspurig angelegt ist, wird hier aber sicher nicht der Mörderverkehr Einzug halten. Auch wenn der Weg einmal freigegeben sein wird, ist diese Auffahrt wärmstens zu empfehlen (heute sprichwörtlich 35 Grad). Teilweise unglaublich in den Fels gebaut, führt er in vielen Serpentinen auf die Hochebene. Wasser oder Rastmöglichkeiten gibt es auf diesem Abschnitt nicht - also ordentlich Wasser bunkern und spätestens in Grigno Futter fassen. Die Auffahrt ist kräftezehrend und wir sind nicht unglücklich, als wir auf der Hochebene ankommen. Hier fahren wir immer der Asphaltstraße entlang bis zum Rifugio Barricatta (1.351). Dieses wird gerade vollkommen renoviert und wahrscheinlich aus Denkmalschutz steht nur noch die Fassade. Wir fahren deshalb einen kleinen Umweg übers Albergo Marcesina (sieht unmotiviert aus) und dann noch ein Stück bergab bis zum Rifugio Alpino Marcesina. +390424/490209.

Auch diese Unterkunft ist nur wärmsten zu empfehlen (allerdings muss man hier mit ca. 40-50% Hochebenen Aufschlag rechen). Der Wirt ist selbst Mountainbiker und hat auch einen Radverleih – ebenso besitzt er eine kleine Werkstätte für Reparaturen. Wir machen uns wieder abendfein und genießen vor der Hütte die letzten Sonnenstrahlen. Das Essen ist ausgezeichnet und reichlich. Als allerdings Äpfel als Nachspeise serviert werden, murrt das Team bedenklich. Eisbecher wäre ihnen natürlich lieber gewesen. Nach ein paar Liter Wein beruhigen sich aber die Gemüter und so geht auch dieser geniale Tag zu Ende.

 

 

4.Tag  Marcesina - Lusern

 

Auch dieses Frühstück ist ausgezeichnet. Der Wirt weist uns auf einen Defekt bei den Rädern hin. Fritz hat gestern wieder seinen ‚Spezialschlauch’ eingebaut und hat glatt wieder einen Platten. (Hohn, Spott, Gelächter, …).  Zum Start bekommen wir dafür vom Wirt noch einen Grappa Speciale – Bravo!! Dermaßen gestärkt geht es retour Richtung Albergo Marcesina bis zu Abzweigung zur Malga Buson. Dieser Forstweg ist zwar ruppig aber gut zu befahren. Bei der Malga Mandrielle haben wir sogar wieder Asphalt unter den Stollen und ich beginne mich schon zu wundern. Die Wege hier oben wurden wegen des groben Schotter als äußerst unangenehm zu befahren beschrieben. Aus lauter Faulheit und aufgrund eines Schildes Richtung Monte Ortigara (den kann man von zwei Seiten erreichen) passiert mir wieder einmal ein Orientierungsfehler. Am Ende der Asphaltstrasse landen wir auf einem großen Parkplatz. Natürlich kommt die Frage: ‚und nun?’ – Antwort GPS: ‚völlig falsch!’ – also 150 Hm zurück  bis zur verfehlten Abzweigung. Ab hier bekommen wir diesen groben Schotter (bis Malga Larici), den so mancher etwas ‚fluchend’ beschrieben hat.

Der erste Teil der Strecke liegt etwas langweilig im Wald. Doch jetzt wird es immer interessanter. Die Landschaft wir immer schroffer und die Ausblicke immer faszinierender. So wird der Kampf mit dem Untergrund bis zum Bivio Italia (1.987) erträglicher. Von hier führt ein absolut empfehlenswerter Abstecher zum Monte Ortigara. Der Weg dorthin geht zuerst leicht bergab und zieht dann immer unfahrbarer werdend bis zur Hangkante ins Val Sugana. Am Anfang des Abstechers fährt man übrigens an einen der wenigen Brunnen in dieser Gegend vorbei – nachfüllen! Kurz vorm Ortigara legen wir unsere Räder zur Seite und erkunden das Gebiet per Pedes. Mehrer Stellungen, Schützengräben und Gebäude kann man besichtigen. Peter findet auch noch ein paar Kugeln aus dem ersten Weltkrieg. Das Genialste ist aber der Blick vom Abgrund in das fast 2000m tiefer liegende Tal. Leider ist da Wetter ziemlich diesig. Bei guten Sichtverhältnissen muss der Panorama-Blick überwältigend sein.

Da wir noch einen weiten Weg vor uns haben, brechen wir unsere Erkundung ab und fahren retour zum Bivio Italia. Von hier geht es etwas bergauf bis auf ca. 2.055m. Danach geht es noch immer sehr ruppig und schwer fahrbar weiter. Entlang des Weges kann man mehrere interessante Beschreibungen der Kriegsschauplätze studieren. Wir fahren an den Zisternen beim ehemaligen Feldlazarett (1.787m) vorbei, die zum Sammeln des Wassers der  Hänge gebaut wurden. Ab hier geht es noch recht anstrengend bergauf (auch etwas bergab) bis zum namenlosen Übergang auf Höhe 1.937. Von hier aus kann man schon das Rifugio Cima Larici (1.658) sehen. Der weiterführende Forstweg bis zur Malga Larici wird zwar etwas besser, zieht sich aber noch ewig dahin. Endlich kommen wir an der Malga an – juhu, sie hat geöffnet! Mir ist jedoch das Rifugio lieber, also weiter. Leichte Unruhe im Team, aber schon nach der Kurve können wir anhand der Fahne erkennen, dass auch das Rifugio geöffnet ist. Als noch einen kurzen Endspurt hinauf zu der mehr als wohlverdienten Rast!
Der Weg über die Hochebene ist zwar genial, aber nur äußert dünn mit Gasthäusern und auch Brunnen bestückt. Wir sind vormittags bei angenehmen Temperaturen unterwegs und stellen uns das ganze nachmittags bei Hitze vor – viel Vergnügen. In dieser Gegend ist die Orientierung alles andere als einfach. Es sieht irgendwie alles ähnlich aus. Wir stoßen bei einem ausgezeichneten Mittagessen auf diese gewaltige Teiletappe an.

Nach ausgiebiger (empfehlenswerter) Rast fahren wir noch kurz bergauf bis Höhe 1.786. Ab hier geht es nur noch bergab bis zur Abzweigung  (1.592) zum Pizzo Levico (1.908). Leider entscheiden wir uns gegen eine Fahrt zum Gipfel – wäre sich noch leicht ausgegangen. Die Blicke ins Val Sugana sollen sagenhaft sein. Also falls Kraft vorhanden – hier rechts! Wir fahren aber weiter hinunter bis zum Fort Cima Verle und machen eine kleine Besichtigung. Danach geht’s weiter zum Rifugio Vezzena – Passo Vezzena (1.417). Dies ist die erste halbwegs sicher geöffnete Einkehrmöglichkeit seit dem Start der Etappe – na da wären wir aber eingefallen. Von hier fahren wir bergauf über die Strasse beim Monte Cucco (1.577) vorbei und dann abwärts zu unserer Unterkunft in Luserna (1.333). Albergo Luserna Hof +390464/788010 http://www.lusernarhof.it. Wieder ein Glücksgriff – der alte zimbrische Hof wurde akribisch und liebevoll renoviert und liegt in genialer Lage am Hang. Vom Garten aus hat mein ein tolles Panorama und kann fast die komplette morgige Tour einsehen. Es wird natürlich sofort ein Bier geordert und die Aussicht im Liegestuhl genossen. Das Abendessen lässt wieder keine Wünsche offen und anschließend sehen wir uns bei ‚etwas’ Wein das WM-Spiel an. Ein genialer Tag findet sein Ende und ich gehe zufrieden schlafen.

Links zur Hochebene - Festungen:

http://www.uni-graz.at/~opitz/altopiana.htm
http://gebirgskrieg.heim.at/5118.htm
http://www.bikeabenteuer.de/bs_comuni.html
 

5.Tag Luserna – Posina

 

 

Auch dieses Frühstück ist ‚molto grande’ und so können wir die heutige „Ruhe“-Etappe gut gestärkt starten. Bei der Planung ist dieser Tag als Erholung vorgesehen (mit der Möglichkeit einer Erweiterung der Etappe nach Lust und Laune). Die Länge der „Ruhe“-Etappe ist jedoch goldrichtig, da die Besichtigung der Forts und Kriegsschauplätze bzw. der Trail vom Monte Maggio doch einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Wenn man einmal in dieser Gegend ist, wäre es schade, die Forts nicht anzuschauen. Zuerst fahren wir in einer großen Schleife auf die andere Talseite und biegen dann in den (Rad)Weg „1oo km de Forti“ ab. Dieser Weg, der zum Großteil identisch mit dem Senterio della Pace ist, verläuft auf dieser Hochebene stets entlang der Kriegsschauplätze des 1.Weltkrieges. Nach dem Abbiegen geht es teilweise steil hinunter bis zum Fort Belvedere Gschwendt (1.177). Dieser Abstecher ist absolut empfehlenswert – erstens ist die Aussicht hier logischerweise fantastisch (damals wollte man eine gute Aussicht aus taktischen Gründen haben) und zweitens ist das Fort fast vollständig erhalten und kann besichtigt werden. Wir schauen uns den gewaltigen Bau an und machen natürlich die obligatorischen Beweisfotos. Diese Bunkeranlage ist imposant und bietet einiges an interessanten Informationen. Von hier geht es weiter durch die Dörfer rund um den Lago di Lavarone. Wir befinden uns wieder in der Zivilisation. Es herrscht reges Treiben und wir können bei einem Bankomat unsere finanziellen Mittel aufstocken (Bankomaten sind hier selten). Die Auffahrt zum Passo del Sommo (1.343) ist in recht gemütlicher Steigung angelegt und optisch reizvoll. Nur der Verkehr ist etwas störend. Heute erkennen wir auch unseren Kräfteverschleiß, wir lassen eine Rennradfahrertruppe doch glatt ziehen (forza Fritz!?). Kurz nach dem Pass geht es links, wieder auf Schotter, Richtung Rifugio Stella Italia  (1.536). Auch dieser Weg ist mit mehreren Hinweisschildern zu den Aktivitäten im 1.Weltkrieg ausgestattet und wer will kann sich informieren. Das Rifugio sieht verlockend einladend aus, da es aber noch zu früh für Mittagessen ist, fahren wir hinauf zum Fort Sommo Alto und machen hier ebenfalls eine Erkundungstour – auch empfehlenswert.

 

Danach fahren wir das Stück zurück und  hinüber zum Passo Coe (1.610). Hier kehren wir zur verdienten Rast ein. Das Essen ist ausgezeichnet und der abschließende Grappa aufs Haus ist natürlich hervorzuheben. Nach gemütlicher und ausgiebiger Rast geht die Fahrt weiter zum Monte Maggio (1.853). Der Weg ist zuerst gut befahrbar, dann aber mit sehr groben Schotter ausgestattet und nur aufgrund der humanen Steigung fahrbar. Wir sind noch halbwegs motiviert und schaffen die Auffahrt bis zum Kreuz am Monte. Die Aussicht ist gewaltig und der Fotoapparat wird wieder bemüht. Der nun folgende Trail ist sehr ausgesetzt und aufgrund unserer mangelhaften Trailkünste schieben wir einiges. Aber die Blicke, die dieser Weg bietet, wiegt das Schieben mehr als auf – geniales Highlight, unbedingt probieren.

 

Ab dem wohl berühmtesten Schrott-LKW wird der Weg breiter und komplett fahrbar bis zum Passo Borcola (1.258). Hier ereilt Martin sein erster Defekt. Der Patschen ist jedoch gleich behoben und es geht über viele Kehren hinunter bis Posina (541). Unser Domizil für die  Nächtigung, die Trattoria All'Alpino, +390445/748019 ist nicht zu verfehlen. Diese Unterkunft habe ich aus anderen Berichten abgekupfert – und es stimmt alles. Zuerst werden uns zwei Appartements zugewiesen, in denen jeweils 4 Personen schlafen könnten. Komplett renoviert und mit alten restaurierten Möbeln ausgestattet, sehen die Zimmer gewaltig aus. Das große Bad mit moderner Dusche (in Italien!!!) fasziniert uns noch mehr. Allerdings hat man trotz Reservierung dem Anschein nach nicht mit unserer Ankunft gerechnet – nur kaltes Wasser. Martin und ich duschen etwas ‚freddo’. Peter hält es noch aus, bis der Boiler halbwegs warm ist. Wir gehen hinüber zum ‚Gasthaus’ (so beschildert) und stoßen natürlich mit ein paar Bier auf den heutigen Tag an. Am Abend kommt der Hammer – nach Salat und Nudeltris stellt der Wirt noch eine Platte mit Schnitzeln, Hähnchen, Gulasch, Kartoffeln und Gemüse auf den Tisch.

Ich darf erwähnen, dass uns Fritz wieder einmal mit seinem gigantischen Appetit begeistert. Schon die ganzen Tage ist er beim Essen unschlagbar. Als er allerdings an diesem Secondi  kläglich scheitert, quittiert er das ganze nur mit einem verzweifelten ‚der Kopf lässt mich nicht’ und winkt genervt ab. (Noch am nächsten Tag falle ich vor Lachen fast vom Rad, wenn ich an diesen Spruch denke). Das Kirschkompott, das als Dolce auf den Tisch gestellt wird, ist wirklich überflüssig. Der Wirt versteht sofort die Bestellung von Martin – ‚Grappa grande’ – und stellt die ganze Flasche auf den Tisch – diesen Auftrag erledigen wir natürlich mit Bravour. Nach dieser Orgie schaffen Peter und ich nur noch den Weg ins Bett – Martin und Fritz müssen wie üblich noch eine Zappelbude aufsuchen.

 

6.Tag  Posina – Sdruzzina

 

 

Die Frage über die Größe des Frühstücks stellt sich hier natürlich nicht - Grande. Der Preis ist sogar einer der günstigsten – Topempfehlung.
In der Nacht hat es geregnet  und auch am Morgen sieht das Wetter nicht so berauschend aus. Trotzdem fahren wir über die in angenehmer Steigung angelegte Strasse zum Colle Xomo (1.058). Wenn man hier links fährt, kann man den Pasubio auslassen und spart einiges an Höhenmeter, wir fahren aber rechts steiler, aber noch asphaltiert, bis zum Parkplatz beim Einstieg zur ‚Strada delle 52 Galerie’. Dieser über 800 Höhenmeter in den Fels gehauene Steig wurde angelegt, weil der eigentliche Versorgungsweg unter österreichischen Beschuss geraten war. Diese Strada sollte man unbedingt einmal erkunden, zumindest einige der ersten Tunnels von oben oder unten. Ein Tunnel führt sogar in einer Wendel nach oben - gewaltig. Für Mountainbiker ist dieser Weg seit 1994 leider strengstens verboten. Wir nehmen also den alten Versorgungsweg und haben wieder groben Schotter unter den Stollen. Durch die relativ angenehme Steigung ist der Weg jedoch gut fahrbar. Die Landschaft wird immer fantastischer. Auch dieser Weg ist unglaublich in den Felsen gehauen und bietet einige gewaltige Aussichten.

 

Ständig hat man den Monte Maggio im Blick und sieht hinunter auf das immer kleiner erscheinende Posina. Leider beginnt es weiter oben immer mehr zu nieseln und ich beeile mich bis zur Porte del Pasubio (1.940) und gleich daneben ins Rifugio Papa zu kommen. Diese Hütte nützt natürlich ihr Monopol für überhöhte Preise. Da wir jedoch auf der Flucht sind (vor dem Regen!) genehmigen wir uns in der Hütte ein Bierchen. Anschließend erkunden Fritz und Peter einige Tunnels – Martin und ich hatten bereits das Vergnügen und bestellen noch ein Bier.

 

Der Regen lässt wieder nach und wir beeilen uns, hinunter zum Passo Pian delle Fugazze (1.162) zu kommen. Auch diese Seite des Pasubios hat einen beeindruckend gebauten Weg. Leider verstellt und das heutige Wetter gehörig die Aussichten. Da wir bei der Abfahrt wegen des feuchten Untergrunds langsamer und vorsichtig zur Sache gehen, erscheint mir diese als endlos. Leider beginnt es wieder leicht zu nieseln und ich bin froh, als wir zum Pass gelangen. Wir beschließen im Gasthaus, am Pass Mittag zu essen. Mit einem Liter Wein beschwören wir unser sprichwörtliches Wetterglück, leider nützt das heute nichts. Den ganzen Nachmittag begleitet uns ein lästiges leichtes Nieseln. Die Überquerung des Passo Buole (1.450) ist damit leider gestorben (möchte ich aber unbedingt einmal nachholen). Wir beschließen, den Passo Buole über Rovereto zu umfahren. Die Strasse nach Rovereto hat zwar einige lästige Gegenanstiege, führt aber großteils bergab.

 

Wir kommen relativ rasch und zum Glück auch fast trocken nach Rovereto (204). Hier nehmen wir zur Abwechslung einmal eine Superstrada, diese führt im leichten Gefälle über Ala bis nach Sdruzzinà (160). Der gnädige Rückenwind beschleunigt uns auf eine rekordverdächtige Pace. Wir erreichen unsere Unterkunft Agritura l’picchio +390464/672825 http://www.agrituralpicchio.it  direkt neben der Straße und stellen unsere Räder erleichtert unter. Wieder haben sich meine langwierigen Recherchen für die Unterkünfte gelohnt. Die Agritura ist liebevoll renoviert und die Zimmer lassen keine Wünsche offen. Wir adjustieren unsere heute doch ordentlich ramponierte Ausrüstung und hängen alle Sachen zum Trocknen auf. Nach der Dusche gibt es den obligatorischen Trunk am Nachmittag. Abends erwartet uns ein ausgezeichnetes Essen. Nach ein paar Litern Wein gehen wir doch noch halbwegs zufrieden schlafen.

 

7.ag Sdruzzina - Riva

 

Auch hier ist das Frühstück ausreichend und wir starten gestärkt von Sdruzzinà, (160) hinüber nach Avio, um den Anstieg zum Altissimo in Angriff zu nehmen. Das Wetter ist wieder besser und zuerst läuft alles wunderbar. Die Strasse ist in angenehmer Steigung angelegt und die Aussichten sind toll. Aber schon nach ca. einer Stunde Fahrzeit habe ich das Gefühl einen Hungerast zu bekommen und schalte einen Gang zurück. Bei der Abzweigung (1.030) nach links zum Monte Baldo (rechts kommt man über San Sebastino ebenso hinauf), werfe ich einen Müsliriegel ein – welch Schmach. Aber irgendwie nützt das heute gar nichts und ich probiere es mit zwei weiteren Riegeln - Igitt. Ich fahre also mehr schlecht als recht hinter den Jungs nach, als sich plötzlich irgendwie die Geometrie des Rades seltsam anfühlt. Da macht es auch schon ‚Knack’ und der Rahmen bricht am Oberrohr nahe der Sattelstütze ab. Hand hoch ‚technischer Halt’ gerufen und schon eilen meine Brüder herbei. Zweifelnde Blicke auf die Bruchstelle. Guter Ra(d)t ist teuer. Wir haben einen Leatherman und ein paar Kabelbinder mit und beschließen, geeignete Äste zu suchen, um den Rahmen irgendwie zu stützen. Kurz darauf werden wir auch fündig, zwei ideale Bretter und ein steifer Draht liegen wie zufällig hinter einer Hütte. Die Jungs machen sich natürlich sofort einen Spaß aus der Sache und schienen das Rad professionell. Jetzt bin ich derjenige, der den Hohn und Spott einheimst. (Bis zu diesen Punkt hatte ich keinen einzigen Defekt).

 

Das ganze funktioniert wirklich und ich kann wieder weiterfahren. Kurz darauf gibt es in einer Senke beim Rifugio Navene den ersten genialen Blick zum Lago. Wir fahren hinauf bis zum Rifugio Graziani (1.650) und trinken ein Bierchen. Martin tauft mein Rad sofort um und beschriftet es mit ‚Woody’. (Hohn – Gelächter – eh schon wissen).

 

Allerdings traue ich mich mit meiner etwas gewagten Konstruktion nicht, den Trail vom Altissimo hinunter zu fahren. Wir vereinbaren daher, uns in Nago zu treffen. Ich fahre über Brentonico und Mori nach Nago. Das ist normalerweise kein Problem. Nach meinem heutigen Schwächeanfall ist selbst das noch anstrengend genug. In Nago hat das vereinbarte Lokal natürlich geschlossen und so setzte ich mich in der Nähe auf eine Parkbank und raste erst einmal ordentlich. Da die Jungs eine halbe Stunde nach der berechneten Zeit noch immer nicht da sind, fahre ich hinunter nach Riva zur Hafenbar – mich dürstet nach Bier!

Was inzwischen bei den drei Helden geschieht:

Den Altissimo bin ich ab der Rifugio Graziani schon öfters gefahren, deshalb beschreibe ich auch diesen Streckenabschnitt. Der Weg ab dem Rifugio ist relativ steil und zum Teil grob geschottert. Je nach letztem Zeitpunkt des ‚Ausputzen’ und nach Kondition ist er komplett fahrbar. Peter schafft dieses Kunststück und fährt fast die ganze Strecke bis zur Hütte am Monte Altissimo (2.070) - Bravo. Ich habe den Altissimo als würdigen Abschluss einer Transalp zum Gardasee eingeplant und neben dem Tremalzzo ist dies sicherlich auch eine der  imposantesten Varianten. Das Panorama hier oben und die Ausblicke auf den See sind fantastisch – leider heute wieder durch die üblichen Quellwolken getrübt.

 

Im Vergleich zu den letzten Tagen, an denen wir nur vereinzelt Biker getroffen haben, geht es heute richtig rund. Die Nähe zum Gardasee ist dabei natürlich ausschlaggebend. Peter klappert das Plateau des Monte zwecks Fotoshootings ab. Die Jungs erreichen schiebend den Monte. Gleich wird die Abfahrt beschlossen, um den ‚armen’ Werner nicht so lange alleine zu lassen. Die ‚Abfahrt’ wird durch einen Patschen bei Martins Rad verzögert, außerdem bietet sie einiges an Schiebe-Arbeit, da bis zur Malga Varagna (1.780) wieder Trailkünstler bevorzugt sind. Bei der Malga hat Martin seinen nächsten Patschen. Jetzt sieht er auch die Metalllitze, die im Mantel steckt. Wahrscheinlich hat diese schon den ersten Patschen verursacht. Der dritte Patschen bleibt nicht aus – auf der Asphaltabfahrt bis Nago passiert es wieder. Deshalb warte ich in Nago vergebens!

 

Da die Jungs mich in Nago nicht antreffen, fahren sie sofort hinunter nach Torbole und fallen wie hungrige Wölfe in eine Pizzeria ein (es ist schon nach 14 Uhr). Nachdem sie ihren Kalorienhaushalt in Ordnung gebracht haben, fahren sie zielsicher zur Hafenbar in Riva und so sind wir fürs Abschlussfoto wieder vereint. Wir stoßen natürlich mit einigem Bier auf unsere fast komplett gelungene Transalp an und genießen die Atmosphäre am Hafen. Mein neues Woody ist natürlich der Hingucker schlechthin und sticht alle anderen Bikes aus.

Nach diesem gelungenen Abschluss fahren wir zu unseren Hotel, wo uns das Empfangskomitee schon mit Grappa und Bier am Pool erwartet. Am Abend wird im Spaghettihaus noch einmal ordentlich gefuttert (Danke Elvira fürs Sponsoring) und am nächsten Tag treten wir am späten Vormittag gemütlich die Heimreise an.

Transalp 2006 – Epilog

7 Tage,  442 km, 12.077 Höhenmeter und 56 Stunden im Sattel. Fast komplettes Wetterglück – nur etwas Nieseln. Jede Menge Kalorien, Wein, Grappa & Co … einfach fantastisch!!!!
Leider haben wir vergessen, Fritz richtig mental zu trainieren (siehe Abendessen am fünften Tag) und zum Glück im Unglück hat mein Rahmen erst ganz zum Schluss versagt.

Die Länge der Etappen, Unterkünfte, Rastpunkte und die Anzahl der Tage waren nahezu perfekt und die Gegend entlang der Grenze zwischen Veneto und Trentino ist der Hingucker schlecht hin.

Empfehlenswerte und grandiose Über/Durchquerung die natürlich schon Appetit auf 2007 macht!